125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
Bericht eines Augenzeugen

Am 29. Juni 1883, dem Feste Petri und Pauli, wurde das Aachener Rathaus wieder vom Feuer ergriffen und, soweit das Feuer Nahrung finden konnte, zerstört. Etwa fünf Minuten östlich vom Rathause, in der Antoniusstraße 26, wo die Firma J. P. J. Monheim ihre Chemische Fabrik und ihr Droguenlager hatte, brach am besagten Tage etwa gegen 1/2 3 Uhr Feuer aus. Ueber die Ursache hörte man die verschiedensten Gerüchte. Bald hieß es, die Sonnenhitze habe feuergefährliche Stoffe entzündet, dann sprach man von Unvorsichtigkeit der mit der Lageraufnahme beschäftigten Arbeiter, dann sollten die Arbeiter im Stroh gelegen haben, geraucht und Namenstag gefeiert haben; nach wieder einer anderen Darstellung schlugen die Flammen ganz unerwartet aus den Fenstern eines Raumes, den kurz vor und bei Ausbruch des Brandes niemand betreten hatte. Alsbald wurde der Feuertelegraph in Anspruch genommen. Genau 5 Minuten vor 3 Uhr erfolgte von der Nüsseschen Apotheke in der Großkölnstraße aus die erste Meldung; gleich nachher gab man im "Knüppel" ein zweites und bald darauf ein Notsignal, infolgedessen das ganze Feuerkorps ausrückte. Ihm gesellte sich bereits um 1/2 4 Uhr die Burtscheider Feuerwehr zu. Doch waren beide Wehren dem furchtbaren Element gegenüber anfangs ziemlich machtlos. Endlich gelang es den vereinten Anstrengungen nach unsäglichen Mühen, das Feuer im eigentlichen Herde zu bemeistern, so daß sich nur eine furchtbare Rauchwolke, leider mit allerlei winzigen Zündstoffen gefüllt, in nordwestlicher Richtung über die Stadt hinwegzog. Diese Wolke und ihr gefährlicher Inhalt muß auch das Dach des Granusturmes unseres Rathauses berührt haben, dessen Bleibedeckung merkwürdiger Weise in den nächsten Tagen erneuert werden sollte. Gegen vier Uhr zeigte sich zum Schrecken Aller ein leichter Rauch am Granusturm. Nicht lange nachher wurden auch die Flammen sichtbar, und bald darauf stand der ganze hohe Turm bis zur Wetterfahne in Flammen, die ihn in etwa einer halben Stunde verzehrt hatten, daß er, prasselnd und furchtbar Rauch erzeugend, zusammenstürzte. Obgleich der brennende Turm glücklicher Weise der Hauptsache nach in sich selber sank, so hatten doch die sprühenden Funken und fallenden Balken zwei nebenan, auf dem sogenannten Hühnermarkt, liegenden Häuser ergriffen, deren Dächer denn auch Feuer fingen und abbrannten. Gleichfalls war brennendes Gebälk in die Dachtraufe des Rathauses gefallen und entzündete dessen Dachstuhl, der auch nach einer viertel Stunde in ein gewaltiges Flammenmeer getaucht schien.

Wäre hier zur rechten Zeit Hülfe gewesen, hätte man die in die Dachtraufe des Rathauses fallenden Zünder alsbald gelöscht, was um so leichter war, da mehrere Hydranten auf dem Katschhofe sind, - das Rathausdach und der Marktturm wären wahrscheinlich gerettet worden. So aber drang das Gierige Element unaufhaltsam weiter und bald war auch der Uhren- oder Marktturm ergriffen und in eine furchtbare Feuer- und Rauchwolke gehüllt. Noch einmal schlug die Rathausuhr 3/4 5, und dann sank der Turm, sich erst im Halbkreise drehend, prasselnd in sich zusammen.

Die starken Gewölbe des Kaisersaales nahmen den brennenden und stürzenden Dachstuhl auf und so wurde der Krönungssaal und seine Malerei vor dem Untergange bewahrt. Eine ganz besondere Gefahr drohte der Stadt durch das Flugfeuer. Durch den Südostwind wurde nämlich eine solche Menge glühender Holzkohlen über den ganzen Westen und Nordwesten der Stadt geweht, daß nach dieser Richtung hin die Straßen, Gärten und Dächer mit brennenden und glühenden Kohlen stellenweise wie besäht erschienen, weshalb es auch erklärlich ist, daß an vielen Stellen der Stadt nach dieser Richtung hin Feuer ausbrach. Glücklicherweise wurde dasselbe stets dadurch gelöscht, daß die Bewohner der brennenden Häuser fleißig die Dächer begossen.

In ganz besonderer Gefahr stand bei dem Brande des Rathauses die damals am Katschhof gelegene Realschule. Ihre Erhaltung war um so wichtiger, als, wenn sie Feuer gefangen hät-

Das Rathaus von Aachen vor dem Brande 1883 (Rückseite)



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Das Rathaus von Aachen vor dem Brande 1883

Das Rathaus zu Aachen während des Brandes am 29. Juni 1883

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Das Rathaus nach dem Brand 1883 (Rückansicht). Aufnahme 1900

te, die Gebäulichkeiten des Münsters und das Münster selber wahrscheinlich verloren gewesen wären. In seltener Pflicht-treue und mit großem Mute hat der Kastellan besagter Schule mitsamt seinen Kindern diesen Posten lange gehalten, bis ihm endlich durch den Dachdeckermeister Jakobs und die Gesellen des Schlossermeisters Mahr kräftige Beihülfe zu Teil wurde. Auf dem Münster stand, wie sich gebührte, der Domschatzmeister Lennartz mit dem Glöckner und einigen Chorsängern, die im verein mit dem Kapitelspumpenmacher Micheels, den Gesellen des Kapitelsdachdeckers Schröder und Anderen das Münster stets mit Wasser übergossen, um etwaigen Brand alsbald zu löschen. Die noch mit Errichtung des Dachstuhls zum Münsterturm beschäftigten Zimmerleute schützten in mutiger Weise ihr Werk, während einige der Domsteinmetzen für ihre Bauhütte sorgten.

Am Abend traf eine große Anzahl auswärtiger Feuerwehren ein. Um 7 Uhr 35 Minuten meldete sich die Stolberger Wehr in Stärke von 66 Mann zur Stelle; um 8 Uhr die Eupener; gleich nachher die Gladbacher mit zwei Kompagnien. Es folgte 8.35 Uhr die Wehr von Langerwehe, dann 8.40 Uhr die Düsseldorfer Wehr und zum Schluß 8.45 Uhr die Kölner mit zwei Spritzen. Die beiden letzteren Wehren traten sofort in Tätigkeit; die eine löste die ermatteten Mannschaften in der Antoniusstraße, die andere diejenigen auf dem Marktplatz ab.

Das Feuer glimmte noch die ganze Nacht hindurch und konnte erst in der folgenden Nacht, als ein kräftiger Gewitterregen niedergegangen war, als mit Sicherheit gelöscht bezeichnet werden. Das Aachener Rathaus aber war eine Ruine.

Johannes Chorus







Einsatzbericht der Berufsfeuerwehr Aachen vom Brand des Rathauses

Die Feuerwehr wurde alarmirt Nachmittags 2 Uhr 55 Minuten von der Meldestelle Großkölnstraße 94 (Nüßesche Apotheke). Es folgte bald das Signal der Meldestelle Ursulinerstraße 21 (T. Giesen). Wache 1 war in 5, Wache 3 in 6 Minuten zur Stelle; ihnen folgten gleich nachher auf gegebenes Notsignal Wache 2 und die Reserve-Mannschaften der Kompanien. Das Feuer war im Warenlager der Monheimschen chemischen Fabrik ausgebrochen, hatte hier an den massenhaft vorhandenen chemischen und pharmaceutischen Fabrikaten reichliche Nahrung gefunden, sich rapide verbreitet und schon die oberen Etagen des Lagers nebst dem Dachstuhl ergriffen, als die Feuerwehr eintraf. Bei einer ganz intensiven Sonnenhitze und unter schwierigen lokalen Verhältnissen, als da sind: sehr enge Straße, schmaler Zugang zum Brandobjekt, verhältnismäßig kleiner, ganz umbauter Hof - wurde der Angriff des Feuers energisch unternommen. Es zeigt sich aber bald, daß eine Weiterverbreitung des kolossalen Feuers nicht zu unterbinden war. Ein sehr starkes Flugfeuer, dessen Qualität nachträglich vielfachen Erörterungen unterzogen wurde, entwickelte sich aus dem Heerde des Feuers und verbreitete sich nach allen Richtungen hin, zunächst über die nachbarlichen Gebäude, deren mit Strohdocken versehene Ziegeldächer, durch die lang andauernde Sonnenhitze ausgedörrt, im Nu entzündet wurden. Es wurden hierdurch in Mitleidenschaft gezogen die angrenzenden und gegenüberliegenden Häuser: Antoniusstraße Nr. 20, 20/1, 22, 21 und 23, Büchel Nr. 49, (Hotel zum Großen Monarchen") und die entfernter von der Brandstelle gelegenen Häuser Kleinkölnstraße Nr. 14, 16, 16/1 und 18, deren Dachstühle ganz und die oberen Etagen teilweise zerstört wurden. Unter solchen Verhältnissen war vorauszusehen, daß die Kräfte der Feuerwehr zur Bewältigung dieses außergewöhnlichen Feuers nicht ausreichen würden und ordnete daher der auf der Brandstelle anwesende Herr Polizei-Präsident Hirsch die Requisition der Burtscheider Feuerwehr an, deren erster Zug gegen 4 Uhr eintraf, das Feuer in den vorgenannten Häusern der Kleinkölnstraße angriff und später auch zur Unterstützung in der Antoniusstraße herangezogen wurde. Unsere ganze Feuerwehr blieb im Verein mit der requirirten Burtscheider Abteilung in dieser Straße, der Kleinkölnstraße und in dem Hintergebäude des Hotel zum Großen Monarchen", Büchel 49, unter Benutzung von 5 Hydranten der Wasserleitung, 900 Meter Schlauch, 12 Strahlrohren u.s.w. thätig und hatte hier der Weiterverbreitung des Feuers die Wege abgeschnitten, als



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gegen 4 3/4 Uhr die Meldung einging, daß der östliche Turm des Rathauses, der Granusturm, von Flugfeuer ergriffen worden sei und bereits in Flammen stehe. Sofort wurden alle verfügbaren Mannschaften und Geräte zum Rathause entsandt.

Das im 14. Jahrhundert erbaute Rathaus hat am Marktplatz eine Front von etwa 55 und eine Tiefe von 25 Meter. Sein Erdgeschoß enthält die Verwaltungsräume und den Sitzungssaal der Stadtverordneten-Versammlung; die erste Etage wird ganz vom Krönungssaal eingenommen. Ein starkes Gewölbe überdeckt denselben. Das Dach war schwer in Holz konstruirt, 12 1/2 Meter hoch und mit Schiefer solide gedeckt. Flankirt wurde das Rathaus auf beiden Flügeln durch etwa 55 Meter hohe Türme, östlich durch den Granusturm", westlich durch den Stadtturm". Die mit Schiefer gedeckten Helme der Türme waren ganz in Holz ausgeführt, total ausgetrocknet und daher bei der großen Hitze und ihren vielen offenen Luken, für Flugfeuer von der Art des aus der Monheimschen Fabrik entstammenden sehr empfänglich. Eine hölzerne Thüre vermittelte den Zugang vom Krönungssaal zum Stadtturm, in welchen eine Holztreppe zum Speicher führte; der Granusturm hatte nur einen Zugang vom Erdgeschoß mittelst einer sehr engen, fast dunklen, steinernen Wendeltreppe. Zum Krönungssaal gelangt man vom Vestibül auf einer großen doppelarmigen Steintreppe, welche sich in besonderem, an der Seite des Chorusplatzes liegenden Anbau befindet. Rechts und links neben dem Rathause, am Marktplatze und an der Krämerstraße, liegen Wohnhäuser von gewöhnlicher Bauart, zwei bis drei Etagen hoch und mit Schiefer- oder Ziegel-Bedachung.

Das Flugfeuer hatte, wie bemerkt, im Granusturm gezündet. Bei Ankunft der ersten von der Brandstelle in der Antoniusstraße entsandten Abteilung der Feuerwehr drang bereits starker Rauch aus dem Helm des Turmes und in wenigen Minuten stand er ganz in Flammen. Von dem Doppel-Feuerhahn im Flur des Rathauses, neben dem Seiteneingange zum Gemeinderatssaal, wurde der Versuch gemacht, auf der engen dunklen Treppe in den Granusturm zu dringen; es erwies sich dies aber als unmöglich, um so mehr, als kurze Zeit nachher der Turm zusammenstürzte und mit seinen brennenden Trümmern nicht nur das große Dach des Rathauses sondern auch die Dächer der Häuser an der Krämerstraße und der an das Rathaus angebauten Büreaus (Kasse etc.) in Brand setzte. Es wurden daher Schlauchleitungen zu dem letzteren, dem Archiv und dem Krönungssaal geführt und von diesem mit Mannschaften der Burtscheider Feuerwehr in den Stadtturm eingedrungen, um von hier aus, unter Benutzung des daselbst befindlichen Doppel-Feuerhahns, auf dem Speicher gegen das inzwischen ganz in den Brand geratene Dach zu operiren. Aber auch hier waren alle Anstrengungen vergebliche. Dem rasenden Fortschreiten des Feuers war nicht mehr Einhalt zu thun; der Stadtturm war bald ergriffen und in kurzer Zeit

Rathausbrand 1883



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Zeitungsbericht zum Rathausbrand 1883

stürzte Dach und Turm, letzterer sich vorher um sich selbst drehend, zusammen, ihre Trümmer zum größten Teile auf die Gewölbe des Krönungssaales niederwerfend. Zum Glück hielten diese Stand; die kostbaren Freskogemälde des Saales wären sonst unfehlbar verloren gewesen.

Als der Stadtturm in Brand geriet und nicht mehr zu halten war, war die einzige Rückzugslinie der Feuerwehr, nach dem Krönungssaal bedroht. Die Mannschaften wurden daher zurückgenommen. Kaum war dies geschehen, als der Einsturz des Turmes erfolgte. Vereint mit der Burtscheider Feuerwehr, wurde an der Verbindungsthüre zwischen Stadtturm und Krönungssaal dem Vordringen des Feuers gegen letzteren entgegengearbeitet, was auch von Erfolg begleitet war. Gleichzeitig wurde mit einer Schlauchleitung durch ein Fenster an der östlichen Seite des Krönungssaales gegen das brennende Dach des an den Unterbau des Granusturmes angebauten, kleinen städtischen Gebäudes vorgegangen.

Die auf den Gewölben des Saales ruhenden glühenden Trümmer des Daches und der Türme wurden der allmählichen Abkühlung überlassen, da mit Sicherheit angenommen werden mußte, daß ein Aufbringen von Wasser die ebenfalls sehr heiß gewordenen Saalgewölbe gesprengt und so den historisch berühmten Saal mit seinen wertvollen Fresken der Vernichtung preisgegeben haben würde.

Gegen die in Brand geratenen Dachstühle der Häuser Nr. 2/1, 2/2, 2/3, 2/4 und 2/5 der Krämerstraße wurde eine in der Antoniusstraße weiter disponibel gewordenen Abteilung in Thätigkeit gesetzt. Es gelang hier das Feuer auf die Dachstühle zu beschränken. Mannschaften der Burtscheider Feuerwehr leisteten gegen Abend hier Hülfe.

Das an der südwestlichen Seite des Rathauses liegende Realgymnasium wurde in besonders gefährlicher Weise ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen; es fiel aber nur ein unbedeutender Teil dem Feuer zum Opfer.

Eine gefährliche Ausdehnung drohte das Feuer anzunehmen nach der Seite der Jakobstraße, indem nach dem Einsturz des Markturmes die Dachstühle der Häuser Nr. 34, 36, 38 und 40 fast gleichzeitig in Brand gerieten. Die Burtscheider Feuerwehr ging mit ihrem zweiten Zuge, welcher inzwischen requiriert und geradezu zu rechter Zeit eingetroffen war, gegen diese Häuser vor, wobei sie von der Abteilung Soldaten, dem Aachener Feldwebel Wilde und einzelnen, im Rathaus disponibel gewordenen Feuerwehrmännern der diesseitigen Feuerwehr unterstützt wurde.

Besonderes Lob verdient der hiesige Feuerspritzen-Fabrikant Hubert Beduwe, in Firma Josef Beduwe, welcher mit seinem gesamten Arbeitspersonal und einer großen, vollständig ausgerüsteten Spritze herbeieilte und der Weiterverbreitung des auch bereits in verschiedenen Häusern auf der dem Rathause gegenüber liegenden Seite des Marktes nach der Jakobstraße hin ausgebrochenen Feuers mit Erfolg entgegenarbeitete.

Ein kleiner Dachstuhlbrand des Hauses Nr. 1 der Kockerellstraße, ebenfalls durch Flugfeuer entstanden, nahm nur 15



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Minuten die Thätigkeit einiger Burtscheider Feuerwehrmänner und Soldaten in Anspruch.

Von Herrn Polizei-Präsident Hirsch waren in Anbetracht der kolossalen Dimensionen, welche der Brand angenommen hatte, die Feuerwehren von Köln und Düsseldorf requirirt worden. Die erstere erschien um 8 3/4 Uhr Abends unter Führung des Branddirektors Brüllow mit einem Kommando von 4 Ober-Feuerwehrmännern, 22 Feuermännern, 2 Fahrern mit 2 Spritzen, 3 Schlauchwagen und 4 Pferden. Die Düsseldorfer Wehr traf etwas früher ein unter Führung des Brandmeisters Baum mit 3 Ober-Feuermännern, 12 Feuermännern, 1 Kutsche, 1 Mannschafts- und Gerätewagen, 2 Spritzen und 2 Pferden.

Bei Ankunft der Hülfe war zwar die direkte Feuersgefahr beseitigt: auf allen Punkten der weit ausgedehnten beiden Brandstellen waren aber die Mannschaften der Aachener und Burtscheider Feuerwehren noch vollauf bei dem gänzlichen Ablöschen thätig und so erschöpft, daß eine Ablösung hoch willkommen war. Die Kölner Feuerwehr übernahm die Arbeit in der Antoniusstraße und die Düsseldorfer im Rathause bis zum anderen Morgen 6 1/2 Uhr, zu welcher Zeit sie wieder von der Aachener Feuerwehr abgelöst wurden und im Laufe des Vormittags nach Hause zurückkehrten.

Teils auf nicht amtliche Requisition, teils aus eigenem Antrieb, waren in lobenswerter Weise noch zur Hülfe herbeigeeilt die nachbarlichen Feuerwehren von Eupen, Stolberg, M.Gladbach und Langerwehe, welche jedoch nicht in Thätigkeit kamen und bald die Heimkehr antraten. Das verhängnisvolle Flugfeuer hat an ca. 100 Stellen der Stadt gezündet, auch an solchen, welche von den Brandstellen weit entfernt lagen. Die Bürger halfen sich kräftig selbst und benutzten in ausgiebigster Weise ihre Privat-Wasserleitungen gegen das Feuer. Überhaupt ist es im besonderen der Leistung der vortrefflichen städtischen Wasserleitung zu danken, daß bei diesem unter ganz außergewöhnlichen Verhältnissen auftretenden Feuer solche Erfolge erzielt worden sind und so die Stadt von unabsehbarem Unglücke bewahrt worden ist.

Erwähnt sei noch der ausgiebigen Unterstützung, welche den Feuerwehren seitens der Herren Offiziere und der Mannschaften des 53. Infantrie-Regiments zu teil wurde.

Während der ganzen Dauer des Brandes waren anwesend die Herren: Regierungs-Präsident von Hoffmann, Polizei-Präsident Hirsch, Oberst von Wenzel, Bürgermeister Zimmermann und viele Stadtverordnete; Herr Präsident Hirsch sogar mit der Feuerwehr bis zum nächsten Morgen.


Das Rathaus brennt!

Schreckenskunde in der Runde
Wild durchbraust die Kaiserstadt:
Seht, am Rathaus Dach und Türme
Sind bedroht durch Feuersstürme!
Wer schafft Hülfe? Wer schafft Rat?

Alles eilet. Keiner weilet.
Doch umsonst ist Männermut,
Und das Volk in bangem Schweigen
Sieht der Türme Wucht sich neigen
In der Gier der Flammenglut.

Arg verheeret, ach, entehret
Ist das Wahrbild alter Zeit.
Rauchgeschwärzt im Morgenschimmer
Stehn des Heldenmales Trümmer,
Mahnung alter Herrlichkeit.

Emil Thomé

Bericht zum Rathausbrand zu Aachen von Johannes Chorus (Deckblatt)1883



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