125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
In diese Zeit fällt die Vereinigung der Stadt Burtscheid mit der Stadt Aachen am 1. April 1897. Infolge dieser Vereinigung wurde die in Burtscheid bestehende Feuerwehr, die nach dem Muster der Aachener Feuerwehr durch den Branddirektor von Halfern durchgebildet war, in die Aachener Feuerwehr eingegliedert. Die Burtscheider Feuerwehr hatte neben dem Branddirektor von Halfern noch einen Brandmeister, 1 Feldwebel, 1 Vizefeldwebel, 2 Res. Oberfeuermänner, 6 Feuermänner und 23 Wehrmänner. Sie war in einem eigenen Gebäude Bendstraße 31 untergebracht. Branddirektor von Halfern legte bei der Vereinigung sein Amt nieder und wurde in Hinblick auf seine Verdienste um das Feuerlöschwesen zum Ehrenbrand-direktor ernannt.

Am 1. April 1897 betrug die Personalstärke der vereinigten Feuerwehr:

  1 Branddirektor, 1 Brandinspektor, 1 Oberbrandmeister, 4 Brandmeister, 1 Volontär und Rendant, 1 Telegr. Feldwebel, 3 Feldwebel, 4 Oberfeuermänner, 2 Reserve Oberfeuermänner, 1 stellvertr. Oberfeuermann, 3 Fahrer, 24 Feuermänner, 60 Wehrmänner, 1 Bote
Summa 107 Köpfe.


Da durch diese Vernetzung die Feuerwache Bendstraße und Kasernenstraße räumlich nahe beieinanderlagen, wurde seitens des Brandinspektors und späteren Branddirektors Ney ein Organisationsplan ausgearbeitet. Dieser sah eine Erweiterung der Räumlichkeiten der Feuerwache Bendstraße vor und eine Belegung derselben mit einem normalen bespannten Löschzug, bestehend aus: einem Mannschafts- und Gerätewagen, einer mech. Leiter, einer Dampfspritze.

Dafür sollte die Feuerwache in der Kasernenstraße wegfallen.

Im Jahre 1892 war die Feuerwache Vinzenzstraße mit einer von der Feuerlöschgerätefabrik Josef Beduwe gegliederten Dampfspritze ausgerüstet worden, so daß diese Feuerwache seit dieser Zeit mit einem normalen Löschzug, bestehend aus Mannschaftswagen, mech. Leiter und Dampfspritze, belegt war. Eine 2. Dampfspritze gleichen Fabrikats wurde im Jahre 1898 eingestellt und vorläufig der Feuerwache Oligsbendengasse zugeteilt.

Die beiden Dampfspritzen waren mit einem 3 zylindrischen Pumpwerk und Shaud-Mason´schem Röhrenkessel ausgestattet und lieferten bei einem Löschdruck von 12 Atü 1500-1800 Ltr. Wasser in der Minute. Neben der Ausstattung der Feuerwehr mit den vorgenannten Großgeräten ging die Beschaffung der notwendigen Kleingerätschaften Hand in Hand. Im Jahre 1900 besaß die Wehr folgende Lösch- und Rettungsgeräte:

  2 Mannschafts- und Gerätewagen, 2 Dampfspritzen mit Tender, 1 Hönig´sche Turmleiter 22 m, 1 Ulmer Schiebeleiter fahrbar 18 m, 4 Abprotz-, Saug- und Druckspritzen, 8 kleine Handdruckspritzen, 1 Wasserzubringer zum Was-

Besuch des Kaisers Friedrich Wilhelm der II. in Aachen. Im Vordergrund ein Beamter der Aachener Berufsfeuerwehr.



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serbezug aus Bächen, Teichen, Brunnen usw., 8 Schlauch- und Hydrantenwagen, 43 Haken-, Rettungs-, Dach-, Aufstell- und Stockleitern, 1 Reichenberger Rutschtuch, 5 Sprungtücher, 7 Rettungsapparate, 8 Rauchmasken, davon 2 als Frischluftgeräte mit Blasebalg und Zubehör ausgestattet, 5 Leiter- und Requisitenkarren, 1 Krankenwagen, 5 Krankentragbahren, 4 Verband- und Medizinkästen, 5500 m Schlauchmaterial, daneben vieles Kleingerät und Handwerkszeug.

Zum Wasserbezug aus der Sammelwasserleitung standen 761 Hydranten zur Verfügung, mit einem Mindestüberdruck von rund 4 Atü.

Im Jahre 1903 übernahm nach Ausscheiden des Branddirektors Radermacher dessen Stellvertreter, Fabrikant Felix Ney als Branddirektor die Leitung, die er bis zum Mai 1907 innehatte. In seine Amtszeit fällt ein weiterer Ausbau der Feuerwehr und so konnte er seinen Plan, den er unter der Regie seiner Vorgänger ausgearbeitet hatte, in die Tat umsetzen.

Zuerst wurde der Neubau der Feuerwache im Stadtteil Burtscheid auf dem Gelände Bendstraße 40-48 gegenüber der alten Burtscheider Feuerwache in Angriff genommen und am 1. April 1903 bezogen. Auch hier ist wie geplant neben der Stallung ein Remisengebäude mit 3 Ständen für bespannte Fahrzeuge vorhanden. Neben einem Mannschaftswagen, der 1898 beschaffenen Dampfspritze wurde diese Wache mit einer Ganzstahl-Teleskopleiter, System Schapler, ausgerichtet. Zum gleichen Zeitpunkt wurde die Feuerwache in der Kasernenstraße aufgegeben. Das Gebäude diente fortan als Wohngebäude für städtische Arbeiter anderer Dienststellen.

Um eine Einseitigkeit in der Ausrichtung der drei Feuerwachen herbeizuführen und in Anbetracht der ausgedehnten Bebauung, besonders mit Industriebetrieben im Bezirk der Feuerwache Oligsbendengasse - Jülicherstraße, Rehm- und Steffensviertel - wurde 1905 eine dritte mechanische Leiter beschafft. Man wählte wieder eine Ganzstahlleiter nach dem verbesserten Schaplerschen System, Fabrikat Praunh in Nürnberg. Infolge der Platzverhältnisse wurde diese Leiter in der Feuerwache Bendstraße untergebracht, die Schapler-Leiter von der Bendstraße zur Vinzenzstraße, und die Hönigturmleiter von der Vinzenzstraße zur Oligsbendengasse verlegt.

Infolge ihres Alters war die Feuertelegraphenanlage trotz ständiger Überwachung und Instandhaltung in den 30 Jahren ihres Bestehens derart betriebsunsicher geworden, daß diese durch eine neue Anlage ersetzt werden mußte. Die fortschreitende Entwicklung im Bau von Nachrichtenanlagen im Allgemeinen und die der Feuermelder im speziellen, drängte zu einer Neuanlage. Damit verbunden mußte eine Auswechselung der bisher verwandten Eisendrähte durch Bronceleitungen einhergehen.

Nach Bewilligung der erforderlichen Mittel seitens der Stadt konnte 1906 mit diesen Arbeiten begonnen werden. Man wählte aus den vorliegenden verschiedenen Systemen das Siemens Halske System mit Doppelmorsesicherheitsschaltung. Zuerst wurde die Feuerwache Bendstraße mit der notwendigen Empfangsapparatur ausgestattet. Zur gleichen Zeit wurden, da auch eine andere Schleifeneinteilung notwendig war, die Außenleitungen gezogen und die neuen Feuermelder in diesem Bezirk installiert. Diese Arbeiten konnten bis Ende 1907 abgeschlossen werden, so daß nunmehr mit den Arbeiten im Bezirk der Feuerwache Vinzenzstraße begonnen werden konnte.

Auf personellem Gebiet machten sich die schlechten Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse bei den Mannschaften bemerkbar. Neben dem Feldwebel waren die Oberfeuerwehrmänner als Beamte und die Fahrer als Angestellte mit festem Gehalt, freier Dienstwohnung und Dienstbekleidung angestellt. Nur die Feuer- und Wehrmänner wurden noch nach dem veralteten Lohntarif bezahlt. Die Folge war ein ständiger Wechsel im Personal, dauernde Fehlstellen von 15 bis zu 20 Mann und vor allen Dingen war der größte Teil der Bewerber für den anstrengenden Dienst in der Feuerwehr nicht geeignet. Dazu kam noch, daß die Freizeit der aktiven Mannschaft so gering bemessen war, daß von einer solchen überhaupt nicht gesprochen werden konnte. Nachdem im Jahre 1880 die Rathauswache aufgehoben worden war, wurden in den 3 Feuerwehrkasernen sogenannte Tageswachen aufgestellt, die anfangs je 10 Mann betrugen. Die nicht zur Tageswache gehörenden Mannschaften bildeten die Reserve. Sie gingen tagsüber ihrem Geschäft oder Handwerk außerhalb der Feuerwehr nach und waren nur abends und nachts für den Feuerlöschdienst zu verwenden. Dagegen waren die Mannschaften Tag und Nacht in Bereitschaft. Über Tage von morgens 6 Uhr bis 21 Uhr mußten sie sich auf dem Arbeits- und Wachsaal aufhalten und konnten hier Arbeiten auf eigene Rechnung ausführen, soweit sie nicht durch Alarm, Übungen oder sonstiger Dienste im Interesse der Feuerwehr dienten, abgehalten waren.

Dieser Mangel an Bewerbern für den Feuerlöschdienst ging soweit, daß man den Feldwebeln für jede neu angeworbene Kraft, soweit sie tauglich war, eine Prämie von 5 M zahlten.



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Aus diesem Grunde wurden den Mannschaften monatlich einen festen Betrag von zuerst 18 dann 23 M bezahlt, neben den für Alarm, Übungen, Theaterdienst usw. vorgesehenen Tarifsätzen. Dieser Betrag wurde 1906 nochmals erhöht. Es erhielten die Mannschaften in den ersten 3 Jahren 45 M, steigend 2 mal nach je 2 Jahren um je 5 M auf 56 M. Daneben hatten sie freie Wohnung, bestehend aus 2 Räumen in eine der drei Feuerwehrkasernen.

Im Jahre 1905 wurde die Gemeinde Forst mit Rothe Erde, in deren Bezirk die große Eisenhütte Rothe Erde mit einer Belegschaft von rund 5.000-6.000 Mann lag, dem Stadtgebiet einverleibt. Hier bestand eine im Jahr 1901 gegründete Freiwillige Feuerwehr in Stärke von durchgehend 30-35 Mann. Ihre Ausrüstung bestand in einer fahrbaren Handdruckspritze, einer Abprotzspritze und verschiedenen Schlauch- und Hydrantenwagen. Unter der Leitung ihres Gründers, des Sägewerksbesitzer M.W. Mohr, blieb diese weiter im Dienst, da es sich, abgesehen von dem Hüttenwerk, um einen fast ländlich bebauten Gebietsteil handelte. Bei Feueralarm rückten Gerät und Mannschaften nach einem besonderen Plan nach diesem Bezirk zur Verstärkung aus.

Mit Inbetriebnahme der neuen Unterkünfte und der Ausrüstung mit Pferdebespannung in der Feuerwache Bendstraße trat eine neue Alarm- und Ausrückeordnung in Kraft, die nach Eingemeindung von Forst auf diesen Stadtteil ausgedehnt wurde. Das Stadtgebiet wurde in 3 Löschbezirke eingeteilt, die von einer der drei bespannten Feuerwachen gedeckt wurden. Der Bezirk Forst gehörte als Unterbezirk zum Bezirk Bendstraße.

Entsprechend der Bezeichnung der drei Feuerwachen
für die Feuerwache Vinzenzstraße mit III
für die Feuerwache Oligsbendengasse mit III
für die Feuerwache Bendstraße mit III
erhielten auch die betreffenden Bezirke dieselben Bezeichnungen. Bei einfachem Alarm rückte die betreffende Bezirkswache aus, die beiden anderen Wachen traten in erhöhte Bereitschaft; bis daß von der Brandstelle eine den Verhältnissen entsprechende Rückmeldung erfolgte. Auf die Rückmeldung: Rücktreten" wurde die Bereitschaft für die anderen beiden Wachen aufgehoben. Auf die Rückmeldung Mittelfeuer" rückte der dem Einsatzort zunächst gelegene Löschzug aus, auf Großfeuer rückten die restlichen Löschzüge einschl. der Dampfspritzen aus. Das Ausrücken der Freiwilligen Feuerwehr Forst bei Bränden innerhalb des alten Stadtgebiets Aachen und Burtscheid erfolgte erst auf besonderen Befehl. Bei Großfeuer wurde sie jedoch in jedem Fall alarmiert und blieb in Bereitschaft bis eine Wache der Berufsfeuerwehr wieder in ihre Unterkunft zurückgekehrt war.

Durch das Anwachsen der Stadt und durch die Eingemeindungen von Burtscheid und Forst mit Rothe Erde erhielt die Tätigkeit der Feuerwehr einen Umfang, die von den ehrenamtlichen Offizieren, besonders dem Branddirektor und dessen Stellvertreter neben ihren privaten beruflichen Verpflichtungen nicht mehr geleistet werden konnten. Neben den eigentlichen Arbeiten in der Verwaltung der Feuerwehr sowie bei den bedeutend vermehrten Alarmierungen zu Bränden und Hilfeleistungen trat eine vermehrte Beanspruchung auf dem

Mannschaftsbild der Berufsfeuerwehr Aachen vor dem Steigerturm der Feuerwache Bendstraße.



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Deckblatt eines Katalogs des Feuerlöschmaschinenherstellers Joseph Beduwe, Aachen.

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Gebiet der Feuerverhütung auf. Durch den immer größeren Umfang der Verarbeitung und Benutzung von neuen Materialien in der Industrie ergaben sich hier Momente, die nur von fachlich vorgebildeten Personen bewältigt werden konnten. Aus diesem Grunde trat an die ehrenamtlich tätigen Herren die Frage heran, entweder sich ganz dem Feuerwehrdienst zu widmen und die berufliche Tätigkeit aufzugeben oder sich von ihrem Ehrenamt in der Feuerwehr entbinden zu lassen und die Arbeit hauptamtlichen Kräften zu übertragen. Da die ehrenamtlich tätigen Herren im Privatberuf Fabrikanten waren bzw. eine umfangreiche Geschäftstätigkeit hatten, die sie nicht aufgeben konnten, kam nur eine Niederlegung ihrer Ehrenamtlichkeit in Frage. Ende 1906 bzw. Anfang 1907 stellten sie daher unter eingehender Begründung der Stadtverwaltung ihr Amt zur Verfügung und baten um Entbindung von ihrem Ehrenamt. Sie konnten dies in der ruhigen Gewißheit tun, dem Nachfolger eine Feuerwehr übergeben zu können, die dem Vergleich mit jeder hauptamtlich geleiteten Berufsfeuerwehr standhalten würde. Auf Ansuchen der Stadt erklärten sich 2 Herren bereit, neben den hauptberuflich anzustellenden Herren, vorläufig ihren Dienst weiter zu versehen. Auf Beschluß der Stadtverwaltung wurden die Stellen für den Branddirektor und 2 Brandmeister eingerichtet und konnten am 1.5.1907 besetzt werden. Aus den eingereichten Bewerbungen für die ausgeschriebene Stelle als Branddirektor wurde dem Brandmeister der Frankfurter Feuerwehr Dipl. Ing. W. Scholz dieses Amt übertragen. Derselbe trat am 4. Mai 1907 seinen Dienst bei der Aachener Feuerwehr an. Als seine Mitarbeiter wurden die Brandmeister Nickel und Schulzen berufen, die gleichfalls im Laufe des Jahres 1907 bzw. im Februar 1908 ihre Tätigkeit aufnahmen.

Wenn auch die Ausrüstung und die Einrichtungen der Feuerwehr im Allgemeinen den Bedürfnissen einer Stadt von der Größe Aachens gerecht wurde, so harrten doch noch umfangreiche Arbeiten der Erledigung. Der Aufbau eines den Bedürfnissen entsprechenden Feuertelegraphen, der seit 1906 in Arbeit war, mußte zu Ende geführt werden. Die Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse bedurften einer grundsätzlichen Neuordnung. Vor allen Dingen war aber durch die Einführung des Kraftfahrzeuges und dessen Ausnutzung für gewerbliche Zwecke die Frage akut geworden, wie weit die Feuerwehren sich durch Einbindung des Automobilbetriebes anstelle der Pferdebespannung der Fahrzeuge dieser nutzbar machen konnte. Versuche, anstelle der Pferdebespannung durch eigene

Feuerwache Vinzenzstraße 18.
Die erste Kompanie der Aachener Feuerwehr



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Kraft fortbewegte Fahrzeuge bei der Feuerwehr einzuführen, wurden von verschiedenen Feuerwehren durchgeführt. Neben den Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmaschine, die zu Beginn des Jahrhunderts für den Feuerwehrdienst nicht betriebssicher genug waren, wurden Versuche mit Fahrzeugen mit Dampf-maschine und solchen mit elektrischem Antrieb gemacht.

In der Hauptsache waren es die bei den Feuerwehren im Dienst befindlichen Dampfspritzen, bei denen die Versuche mit dem Antrieb mittels einer Dampfmaschine einsetzten. Abgesehen von ihrer Schwerfälligkeit waren die hohen Kosten und die Arbeit, die aus der ständigen Vorhaltung einer Dampfmaschine für den alarmbereiten Betrieb eines solchen Fahrzeuges die Gründe, daß diese Versuche bald eingestellt wurden.

Als weitere Betriebsart kam der elektrische Antrieb in Frage. Umfangreiche Versuche, die besonders der Branddirektor Reichel in Hannover und in Berlin durchgeführt hatte, kamen zu dem Ergebnis, daß diese Antriebsart für die Feuerwehr die geeigneteste sei, wenigstens bis der Verbrennungsmotor eine für die Feuerwehr benötigte Betriebssicherheit erreicht hätte. Bei den Untersuchungen über die Verwendung von Kraftfahrzeugen im Feuerlöschdienst tauchte weiter die Frage auf, inwieweit sich die Kraftquelle für die Fortbewegung des Fahrzeugs auch für den Antrieb der bei den Feuerwehren benutzten Maschinen, wie Pumpen, mech. Leitern usw. nutzbar machen läßt.

Auf Grund der Erfahrungen, die in Hannover und Berlin mit Kraftfahrzeugen mit elektrischem Antrieb gemacht worden waren, wurde für Aachen bei den Austro-Daimler ein Chassis für elektr. Antrieb mit Lohner-Porsche Motoren bestellt. Als Kraftquelle sollte eine Batterie dienen, deren Kapazität so groß war, daß mit einer Ladung eine Strecke von 30-35 km zurückgelegt werden konnte. Der Aufbau wurde nach Angaben der Branddirektion von der Firma Josef Beduwe Aachen hergestellt. Neben Mannschafts- und Gerätewagen wurde sie auch als Gasspritze ausgebildet, d.h. es wurde ein Behälter für ca. 500 Ltr. Löschwasser eingebaut, welches durch den Druck von Kohlensäure oder Preßluft der aus zwei neben dem Wasserkessel aufmontierten Stahlflaschen entnommen und verspritzt wurde. Die Gasspritze diente an der Brandstelle für den ersten Einsatz und sollte die Zeit überbrücken, die zwischen dem Eintreffen auf der Brandstelle und dem Fertigmachen der Hydrantenleitung lag.

Das Fahrzeug wurde nach längerer Erprobung im Januar 1909 in den Dienst der Feuerwache I gestellt. Die für das Aufladen der Batterie benötigte Ladestation verbunden mit einem Umformer-Aggregat wurde gleichfalls installiert.

Im Allgemeinen erfüllte das Fahrzeug die an dasselbe gestellten Erwartungen. Jedoch in dem sehr bergischen Terrain innerhalb der Stadt Aachen fiel die Geschwindigkeit beim Befahren einer Straßensteigung derart stark ab, daß das Fahrzeug sich nur noch schrittweise fortbewegte.

Dieser Mangel, der für den Betrieb einer Feuerwehr nicht tragbar war, führte dazu, daß weitere Versuche unterblieben. Auch die Einführung eines benzin-elektrischen Systems, bei dem ein Ottomotor einen Stromerzeuger antrieb, der den elektr. Strom für die Fahrmotore erzeugte und mit welchem in Magdeburg, Wuppertal u.a. Versuche angestellt wurden, erschien nicht ratsam. Das Gleiche galt für eine Konstruktion, bei der alle vier Räder angetrieben wurden.

Es blieb daher nur noch das Kraftfahrzeug mit Verbrennungskraftmaschine übrig. Da die Betriebssicherheit dieser Maschine ständig verbessert wurde, wurden nun Versuche mit der-artigen Fahrzeugen gemacht. Die hiesige Lastwagenfabrik Mulag" stellte hierzu ein normales 3t-Chassis mit einem 4 Zylinder Motor zur Verfügung. Die Fahrzeugversuche fielen derart günstig aus, daß der Bau eines Spezialfahrzeuges für Feuerlöschzwecke beschlossen wurde.

Der Verbrennungsmotor schloß die Möglichkeit in sich, daß er ohne große Schwierigkeiten zum Betrieb von Pumpen genutzt werden konnte. Auf der Suche nach der für diese Art besten Pumpenart - es kamen neben den bisher gebräuchlichen Kolbenpumpen noch Kapselschieberpumpen und Hochdruckzentrifugalpumpen in Frage - wählte man die Hochdruckzentrifugalpumpe, die sich in der Privatwirtschaft für andere Zwecke gut eingeführt hatte.

Bei dem bestellten Spezialfahrzeug wurde daher nach Angabe der Branddirektion eine solche Pumpe eingebaut, die in der Mitte des Fahrzeuges gelagert und durch einen Sonderantrieb von der Kupplungswelle des Fahrzeugantriebes angetrieben wurde. Der Aufbau des Fahrzeuges wurde in den Werkstätten der Feuerwehr angefertigt. Ein Wasserbehälter von 500 Ltr. Inhalt ermöglichte die Verwendung zum ersten Einsatz ähnlich der Gasspritze. Das Fahrzeug wurde Ende 1909 fertiggestellt und einer langen und eingehenden Prüfung unterzogen, deren Ergebnis derart günstig ausfiel, daß es bereits im August 1910 in den Feuerlöschdienst einrangiert werden konnte. Dieses Fahrzeug, das eines der ersten seiner Art in Deutschland war, hat bis zum Jahr 1944 im Feuerlöschdienst gestanden, wo es bei einem Bombenangriff auf Aachen vernichtet wurde.



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Die guten Erfahrungen, die mit diesem Fahrzeug gemacht wurden, führten anschließend zur Beschaffung eines weiteren Fahrzeuges gleicher Bauart, welches 1912 in Dienst genommen wurde.

Inzwischen waren auf Seiten der Industrie auf Veranlassung der verschiedenen Branddirektionen Versuche mit mech. Drehleitern gemacht worden, bei denen der Antriebsmotor dazu verwandt wurde, die mechanische Antriebe für den Leiteraufbau zu bewegen. Bisher erfolgten die einzelnen Bewegungen der mech. Leiter teils von Hand, teils durch Preßluft bzw. mit Preßluft betriebenen Maschinen, teils durch elektr. Motore, die ihre Kraftquelle in der Batterie hatten.

Mit einer neuartigen Konstruktion, die die Automobilfabrik Opel-Rüsselsheim in Verbindung mit der Feuerlöschgerätefabrik Kießlich in Patschkau/Oberschl. herausbrachte, wurden im Jahr 1913 eingehende Versuche unternommen. Bei diesem Fahrzeug wurde zum Betrieb der Leiter der Fahrmotor auf einen Dynamo als Stromerzeuger gebracht, welcher den Strom für die elektr. Motore lieferte, die für das Aufrichten, Ausziehen und Drehen des Leiteraufbaus in den Drehturm der Leiter eingebaut waren. Auch hier waren die Versuche von Erfolg, so daß zwei dieser Leitern in den Jahren 1914 und 1915 beschafft und in den Dienst der Feuerwehr übernommen wurden.

Hiermit waren 2 Feuerwachen vollständig mit Kraftfahrzeugen ausgestattet. Infolge des Kriegsausbruchs im August 1914 konnten die Fahrzeuge für die 3. Wache nicht mehr beschafft
Verunglückte Dampfspritze an der Burtscheider Brücke




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werden, trotzdem das Geld hierfür zur Verfügung stand. Eine weitere Errungenschaft der Automobilisierung der Feuerwehr war die Einführung des 2 Fahrzeug-Löschzuges anstelle der bisher 3 Fahrzeuge. Die Kraftfahrspritze ersetzte den bisher gebräuchlichen Mannschafts- und Gerätewagen sowie die Dampfspritze. Dieser 2 Fahrzeug-Löschzug hat sich dann auch durchgesetzt, so daß heute in fast allen Berufsfeuerwehren dieser Löschzug eingeführt ist.

Außer diesen Spezialfahrzeugen wurden im November 1913 das Chassis für einen Rüstkraftwagen und als Ersatz für einen 1908 gekauften Personenwagen ein neuer Personenwagen als Kommandowagen angekauft.

Die Fertigstellung der 1906 in Angriff genommenen Umgestaltung der Feuertelegraphenanlagen war 1910 vollendet. Neben 72 öffentlichen waren noch 49 Privatfeuermelder in 7 Feuermeldeschleifen eingebaut. Zur Verbindung der 3 Feuerwachen waren, neben den Reichspost-Telefonanschlüssen, noch eine Telegraphenlinie als Korrespondenzlinie in Betrieb, die gleichzeitig für die Übertragung der auf den Feuermeldelinien eingehenden Feuermeldungen diente.

Wie bereits vorher angedeutet, war bei der Übernahme der Leitung der Feuerwehr durch Berufsbeamte im Jahre 1907 eine Neuregelung der Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der Feuerwehrmänner nicht mehr zu umgehen. Der Feuerwehrmann war nicht Beamter, nicht Angestellter und nicht Arbeiter im Dienste der Stadt. Wenn auch sein Dienstverhältnis zur Stadt durch Vertrag geregelt wurde, so konnte er hieraus keine anderen Rechte herleiten, als daß er für seine Dienstleistungen nach einem besonderen Tarif bezahlt wurde, er daneben freie Wohnung und Schutzkleidung hatte. Außerdem hatte die Stadt bei einer privaten Versicherungsgesellschaft einen Unfallversicherungvertrag für alle Feuerwehrleute im Falle eines Dienstunfalles abgeschlossen. Da die Entlohnung nach dem Tarif nicht ausreichte, um sich oder eine Familie zu ernähren, war er auf andere Arbeiten angewiesen. Hierfür stand ihm auf dem gemeinsamen Wach- und Arbeitssaal in der Feuerwache ein Platz zur Verfügung. Eine Freizeit, in der der Feuerwehrmann seine privaten Angelegenheiten außerhalb der Feuerwache regeln konnte, war nicht oder nur unter der Gefahr der Einbuße an Entgelt vorhanden. Ein Anrecht oder auch nur eine Anwartschaft auf Altersversorgung war nicht vorhanden. Die Folgen dieser schlechten Verhältnisse waren ein ständiger Wechsel und ein Mangel an geeigneten Bewerbern, so daß nicht nur dauernd eine größere Anzahl von Fehlstellen waren, sondern das vorhandene Personal zu einem großen Teil für den Feuerwehrdienst gar nicht oder nur bedingt geeignet war. Neben diesem Übelstand litt auch die Ausbildung unter dem stetigen Wechsel im Personal und mußten dauernd ein großer Teil der Mannschaft ohne genügende Ausbildung und ohne praktische Erfahrung im Löschdienst zum Einsatz kommen.

Daß diese Verhältnisse mit der Zeit unerträglich, nicht allein für den Feuerwehrmann selbst, sondern auch für die Schlagkraft der Feuerwehr wurde, liegt klar auf der Hand. Auch machten die Zeitverhältnisse und die Entwicklung der Technik mit ihren großen Gefahren besonders im Hinblick auf den Einsatz der Feuerwehr bei Bränden und Katastrophen eine andere intensivere Ausbildung erforderlich, als sie bei der Gründung der Feuerwehr erforderlich war. Bereits Anfang 1908 wurde wöchentlich ein freier Tag eingeführt, indem jedem Feuerwehrmann der 6. Tag frei gegeben wurde. Daneben sollte jeder 3. Sonntag von der Wachablösung morgens bis zum Aufsitzen des Theaterdienstes frei sein.

Mit Wirkung vom 1.4.1909 erfolgte eine Neuordnung der Besoldung dahingehend, daß der Feuerwehrmann bei freier Dienstwohnung ein Gehalt von jährlich 1000,- bis 1300,- M bezog. Außerdem wurde ihm Anwartschaft auf Altersversorgung nach den Grundsätzen der Beamten zuerkannt. Eine grundsätzliche Regelung der Anstellungsverhältnisse erfolgte jedoch vorläufig nicht und der Beginn des 1. Weltkrieges im August 1914 verursachte eine weitere Hinausschiebung dieser Regelung.

Kurz vor Beginn des Krieges im August 1914 wurden der Feuerwehr noch 2 Arbeiten übertragen, die mit dem eigentlichen Feuerlöschdienst nur in einem losen Zusammenhang stehen.

Im Jahre 1910 war bei dem Roten Kreuz Aachen von Herrn Alois Knops ein Betrag von 10000 Mark zum Geschenk gemacht worden mit der Auflage, einen Kraftwagen für Krankentransporte zu beschaffen. Bis zu dieser Zeit waren Krankentransporte bzw. die Bergung von Verletzten von 3 Stellen durchgeführt worden. Dem städt. Krankenhaus standen 2 pferdebespannte Krankenwagen zur Verfügung, deren Bespannung auf Grund eines Vertrages von einem Unternehmer gestellt wurde. Daneben hatte die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz im Hause Augustinerbach 8 eine Unfallstation eingerichtet und mit 2 Mitgliedern besetzt. Als Transportmittel stand ihnen neben einer Anzahl Tragbahren ein von handgezogener Krankenwagen zur Verfügung. Auch die Feuerwehr führte, in der Hauptsache bei Unfällen, Transporte mittels Krankentrage aus. Die Überweisung des Betrages in Höhe von



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10000 Mark gab Veranlassung, eine Überprüfung der bestehenden Verhältnisse durchzuführen. Das Ergebnis dieser Prüfung war eine grundsätzliche Neuregelung der Unfall- und Krankentransportfahrten, mit dem Ziele einer Vereinheitlichung. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Roten Kreuz und der Stadtverwaltung wurde das gesamte Krankentransportwesen der Berufsfeuerwehr übertragen. Der neu beschaffte Krankenwagen sowie die beiden pferdebespannten Krankenwagen wurden der Feuerwehr zur Verfügung gestellt. Den Kraftfahrer für den autom. Krankenwagen stellte die Feuerwehr, die Sanitäter wurden seitens der Sanitätskolonne gestellt. Die beiden Sanitäter der Unfallstation wurden als Angestellte der Stadt übernommen. Am 1. Januar 1911 war die Umorganisation beendet. Seit dieser Zeit wird das Unfall- und Krankentransportwesen von der Feuerwehr durchgeführt. Heute stehen dafür 4 Krankenwagen, davon 1 für Infek-tionstransporte zur Verfügung. Diese Umorganisation hat sich gut bewährt und hat bei der Bevölkerung großen Anklang gefunden. Für die zu erhebenden Gebühren ist eine Gebührenordnung aufgestellt. Jedoch decken die einkommenden Gebühren nur selten die entstehenden Ausgaben.

Die zweite Arbeit war die Überwachung und Unterhaltung der öffentlichen Uhren. Diese Arbeiten wurden bis 1912 vom städtischen Elektrizitätswerk erledigt. Bei den Beratungen über die Vermehrung der öffentlichen Uhren und deren Verwaltung, wurde diese der Berufsfeuerwehr übertragen. Bei der Feuerwehr waren Fachkräfte für diese Arbeiten vorhanden. Außerdem konnte durch eine Verbindung mit den Leitungen des Feuertelegraphen eine Verbilligung erreicht werden.

Die Firma Siemens & Halske bzw. deren Direktor Oebel - Köln hatte zusammen mit Branddirektor Dr. Ing. Scholz Versuche mit einer kombinierten Feuermelde- und Uhrenanlage durchgeführt. Den Versuchen lag folgendes Prinzip zu Grunde:

In einer Feuermeldeschleife, die mit Feuermeldern belegt ist, werden gleichzeitig elektrische Nebenuhren, mit minütlichen Stromstößen betrieben, eingebaut, die von einer Mutteruhr ausgehen. Durch entsprechende Schaltungsanlagen in einer Zentrale können sowohl die Feuermelder als auch die Uhren über eine Leitung betrieben werden, ohne sich gegenseitig zu stören. Hierdurch kann erzielt werden, daß entsprechend der Anzahl und dem Umfang der Feuermeldeschleifen, eine größere Anzahl elektrischer Nebenuhren betrieben werden können. Diese sind auf öffentlichen Straßen und Plätzen, als auch in Gebäuden - öffentlichen Dienststellen, Fabriken, Gewerbebetrieben, Geschäftshäuser usw. - installiert und werden von einer Zentrale betrieben. Eine weitere Folgerung aus dieser Tatsache ist die, daß die Anschlußnehmer für elektrische Nebenuhren in den meisten Fällen sich auch einen Feuermelder für das betreffende Gebäude anlegen lassen, da die Anschlußkosten sehr niedrig gehalten werden können. Hierdurch tritt eine Erhöhung des Feuerschutzes ein. Auch sonstige Apparate, wie Zeitsignalapparate in Schulen und Betriebe lassen sich hierdurch betreiben.

Nachdem eine Zentralanlage nebst Mutteruhr, die 1912 auf der Städtebauausstellung in Düsseldorf ausgestellt war, angekauft und installiert war, konnte 1913 die Anlage in Betrieb genommen werden. Nach einem Jahr waren bereits 3 Schleifen mit 142 Uhren, 52 Feuermelder und 7 Zeitsignalapparate ausgebaut. Die Anlage arbeitete ohne jede Störung und nur der ausgebrochene Krieg 1914 verhinderte den weiteren Ausbau.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges am 2.8.1914 brachte in der Fortentwicklung des Feuerlöschwesens wie auf allen Gebieten der städtischen Verwaltung einen vollständigen Stillstand. Von einem Personalbestand von 88 Kräften (1 Branddirektor, 4 Brandmeister, davon 2 in ehrenamtlicher Stellung, 1 Sekretär, 1 Volontär, 2 Feldwebel, 1 Telefon-Mechaniker, 8 Obfrm, 3 Telegrafisten, 65 Feuermänner und 3 Hilfsmechaniker) wurden neben dem Branddirektor 3 Brandmeister, 1 Feldwebel, 8 Obfrm und 47 Feuerwehrmänner in den ersten Mobilmachungstagen einberufen. Auch von den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr in Aachen Forst wurden 80 % eingezogen. Anstelle des Branddirektors Dr. Ing. Scholz übernahm der bis dahin ehrenamtlich tätige Brandmeister Beduwe die Leitung der Feuerwehr. Als Vorsteher der Feuerwache I Vinzenzstraße wurde der Brandmeister der freiwilligen Feuerwehr Deutz, in gleicher Eigenschaft für Feuerwache III der bis 1907 ehrenamtlich tätig gewesene Brandmeister Adam ein-berufen, während die Feuerwache II Oligsbendengasse wie bisher von dem Feldwebel Braun geführt wurde. Für die zum Kriegsdienst eingezogenen Feuerwehrmänner wurde eine entsprechende Zahl Hilfsfeuerwehrmänner verpflichtet, während für die fehlenden Chargen Ersatz aus den nicht militärpflich-tigen aktiven Feuerwehrmänner genommen wurden.

Durch eine schwere Kriegsverletzung - Verlust des rechten Beines - trat der Branddirektor Dr.-Ing. Scholz 1917 in den Ruhestand. Von diesem Zeitpunkt ab führte der Brandmeister Beduwe, mit der Amtsbezeichnung Branddirektor, die Feuerwehr kommissarisch. Wie bei allen Feuerwehren vermehrten sich die Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung der Ein-



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satzfähigkeit der Feuerwehr mit der Dauer des Krieges immer mehr. Besonders die Beschaffung der Betriebsstoffe, der Ersatzbereifung und der Ersatzteile für die Kraftfahrzeuge konnten nur unter großen Schwierigkeiten durchgeführt werden. Auch der Ersatz des eingezogenen Personals durch neu verpflichtete Hilfskräfte, deren Wert sich mit der Länge des Krieges verminderte, lähmten die Schlagkraft der Feuerwehr in erheblichem Maße. Als endlich im Jahre 1918 der Krieg zu Ende ging, kehrten von den 70 eingezogenen Männern 13 nicht mehr zurück. Sie hatten in dem 4-jährigen Ringen den Tod im Felde erlitten. Anläßlich des 50-jährigen Bestehens der Berufsfeuerwehr Aachen wurde zu ihren Ehren, durch opferwillige Beiträge der Kameraden finanziert, auf dem Ehrenfriedhof ein Mal errichtet, auf dem ihre Namen verzeichnet sind. Neben 13 gefallenen Kameraden erlitten noch 5 Kameraden derart schwere Verletzungen, daß sie für den aktiven Einsatz beim Feuer nicht mehr tauglich waren. Sie wurden für andere Dienste, wie Telegrafistendienst usw. verwandt.

Nach dem Krieg mußten zuerst die Schäden, welche die lange Kriegszeit sowohl in personeller wie auf materieller Hinsicht verursacht hatte, beseitigt werden. Am 1.9.1919 übernahm der bisherige Brandmeister August Schulzen als Branddirektor die Leitung der Feuerwehr. Die Stadt verlieh dem scheidenden Branddirektor Beduwe den Titel Ehrenbranddirektor. Sofort wurden durch Neueinstellungen von Personal die Lücken geschlossen. Da nicht mehr Wohnraum für alle Männer auf den Feuerwachen zur Verfügung gestellt werden konnte, wurde anstelle des zuletzt 72-stündigen Dienstes, der 48-stündige Dienst, abwechselnd mit 24 Stunden Freizeit eingerichtet. Mit Wirkung vom 1.4.1920 wurden nun auch die Feuerwehrmänner als Dauerangestellte mit 3-monatlicher Kündigung und Pensionsberechtigung angestellt und ihre Besoldung nach der Besoldungsordnung für die städt. Beamten geregelt. Ein Vertrauensausschuß, dessen Mitglieder gleichzeitig Mitglied des städt. Beamtenausschusses der städt. Beamten und Angestellten waren, vertrat ihre Interessen bei der Branddirektion. Wenn auch nicht alle Wünsche des Personals, insbesondere hinsichtlich der Wachdienstzeit, in Erfüllung gingen, so waren bedeutende Verbesserungen durchgeführt worden, die sich augenfällig auf die Schlagkraft der Feuerwehr auswirkte. Der stetige Personalwechsel hörte auf, die Bewerber um Einstellung waren körperlich und geistig tauglicher und Fehlstellen waren seltener, da genügend taugliche Bewerber vorhanden waren.

Auch in materieller Hinsicht ging die Beseitigung der bestehenden Mängel richtig vorwärts. Zur endgültigen Beseitigung der Pferdebespannung wurden 1920 eine Kraftfahrspritze Fabrikat Daimler-Metz und im Jahr 1921 eine Metz-Kraftfahrdrehleiter beschafft. Die letzte war mit einem Oeldruckgetriebe für die Bewegung der 26 m hohen Leiter ausgestattet. Sie war eine der ersten Leitern, die die Firma Metz nach dieser Bauart baute, die außerdem schon mit der bekannten Kipp-sicherung ausgestattet war. Mit Einstellung dieser beiden Fahrzeuge waren alle 3 Wachen mit je 1 Löschzug, bestehend aus Kraftfahrspritze und Kraftfahrdrehleiter ausgestattet.

Ganz besondere Sorgfalt wurde dem Gasschutz gewidmet, bei dessen Ausgestalten die Erfahrungen des Krieges und der Bergbau-Rettungsgesellschaften zu Nutze gemacht wurden. Jeder im aktiven Feuerlöschdienst befindliche Beamte und Angestellte erhielt seine eigene Gasmaske. Für den schweren Gasschutz wurden Sauerstoffschutzgeräte in ausreichender Zahl beschafft. Auch die Frischluftschutzgeräte wurden generalüberholt. Eine Werkstätte mit entsprechendem Gerät und einer Sauerstoff-Umfüllpumpe, ermöglichte die Instandsetzung durch eigens ausgebildete Kräfte. Neben den bereits bestehenden Werkstätten für Schneider, Schuhmacher, Schlosser, Schreiner usw. bedingte die Vermehrung der Kraftfahrzeuge die Einrichtung einer Kraftfahrzeug-Werkstätte, die mit dem erforderlichen Werkzeug und Maschinen ausgestattet wurde. Die Einstellung von Spezialhandwerkern mit langjähriger Erfahrung in der Instandhaltung von Kraftfahrzeugen ermöglichte die Ausführung auch größerer Reparaturen, die ein außer Dienst stellen der Fahrzeuge auf ein Mindestmaß beschränken. Auch die Überholung der Feuermeldeanlage und der weitere Ausbau der kombinierten Feuermelde- und Uhrenanlage wurde, soweit die Mittel es erlaubten, vorangetrieben. Die umfangreichen Arbeiten wurden durch eigenes Personal unter einem Telegrafen-Bauführer durchgeführt.

Metz-Drehleiter Benz-Gaggenau Baujahr 1921



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