125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
Großfeuer in der Bildröhrenfabrik der Firma Philips am 26. März 1956, - riesiger Rauchpilz über dem Philipswerk. Auf dem Fabrikgelände heulten gegen 12.30 Uhr die Feuersirenen. Ein über 200 Meter hoher Rauchpilz wies den anrückenden Feuerwehrfahrzeugen den Weg zu einer Halle der "Valvo- Bildröhrenfabrik." Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, jedoch die Flammen waren schneller. Die westliche Hälfte der 6000 m² umfassenden Lagerhalle brannte bereits in voller Ausdehnung. Mauern stürzten zusammen, das Mittelteil des schweren Betondaches brach ein. Die große Lagerhalle mit 40.000 Bildröhren, wertvollen Chemikalien, Ersatzteilen und Meßeinrichtungen war verloren. Es gelang der Feuerwehr jedoch, die Produktionsstätten zu schützen, so daß diese nicht zu Schaden kamen. Das Gerücht über 25 Todesopfer bewahrheitete sich zum Glück nicht. Die Ursache des Brandes blieb unbekannt, jedoch wurde eine Fahrlässigkeit bei Schweißarbeiten nicht ausgeschlossen.

Ein Großfeuer am 22. Oktober 1958 in der Charlottenstraße sorgte landesweit für Schlagzeilen. Von einem Feuer wurden gegen 1 Uhr nachts die Gebäude der "Tuchfabrik Aachen" eingeäschert, in denen zur Zeit das "Kernphysikalische Forschungsinstitut" der RWTH Aachen und ein Packmateriallager der Firma Philips untergebracht war. Das Objekt stand schon hell in Flammen, als die Feuerwehr mit zahlreichen Fahrzeugen am Brandort erschien. Oberbrandrat Scholten erklärte in einer ersten Stellungnahme, daß die Brandbekämpfung große Schwierigkeiten bereitet habe. Besonders schwer hatte es die Feuerwehr in den Verpackungsraum der Firma Philips einzudringen, da dort die Rauchentwicklung am größten war. Für das Forschungsinstitut der RWTH bedeutete das Großfeuer einen schweren Verlust, da wertvolle Maschinen und Geräte den Flammen zum Opfer fielen. Landesweites Interesse entstand durch die weiteren Ermittlungen nach der Brandursache. Aufgrund des besonderen Status des Instituts ermittelte unter anderem auch das Landes- und Bundeskriminalamt und der Staatsschutz.

Fünf Stunden bekämpfte die Aachener Berufsfeuerwehr am 6. März 1963 ein Großfeuer an der Jülicher Straße. Erstmalig nach fünf Jahren mußte wieder "Alarmstufe II" ausgelöst werden. Auf dem Gelände der Firma "Veltrup KG", brannte das Kartonagenlager der Schokoladenfabrik "Lindt GmbH". An dem Gebäude, in welchem noch andere Unternehmen unter-

26. März 1956
Großbrand Firma Philips Rothe Erde




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6. März 1963 Brand auf dem Gelände der Firma Veltrup KG


gebracht waren, entstand ein Sachschaden von rund 2 Millionen Mark. Um 9.20 Uhr rückte die Feuerwehr mit 50 Mann an und bekämpfte mit insgesamt 22 Rohren das Feuer. Zwei Feuerwehrleute mußten verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Das Feuer entstand durch Schweißarbeiten, die in einem über dem Kartonagenlager liegenden Stockwerk durchgeführt wurden. Schrauben und Bolzen wurden abgeschliffen. Zwei glühende Bolzen fielen durch ein Loch in der Decke in das Kartonagenlager.

Am 22. März 1966 tobte ein Großfeuer im Aachener Reifenwerk Englebert. Das Feuer entstand in einem Tank unter der Druckmischanlage des Werkes. In dem Tank befand sich in größerer Menge Naphtalin, das für die Reifenproduktion verwendet wurde. Von dort griff der Brand auf die Mischanlage selbst und andere Werkshallen über. Aus der riesigen schwarzen Rauchwolke, die sich über die Fabrik und das Wohn- und Industriegelände Rothe Erde sowie den Aachener Vorort Eilendorf legte, regnete es verbrannten Gummi. Bei dem Vernichtungsfeuer in Rothe Erde dürfte es sich um den stärksten Großbrand der Nachkriegszeit handeln. In den Abendstunden hatte der Brand in voller Stärke den erst einjährigen Neubau des Rohstofflagers erreicht. Gegen 19.00 Uhr hörte man zwei Explosionen. Gleich darauf stürzten die Mauern des dreistöckigen Gebäudes in einem Feuerregen zusammen. Zwei Feuerwehrleute wurden dabei verletzt. Das Großfeuer erhellte den Nachthimmel über dem Ostviertel der Stadt Aachen. Den Hintergrund bildete die schwarze Rauchwolke, die am Nachmittag schon vom böigen Wind in die Straßen Eilendorfs gedrückt worden war. Nur mit Mühe konnten die Polizisten den Verkehr umleiten. Der Ruß des verbrannten Gummis behinderte das Atmen und setzte sich in den Augenrändern fest. Einige Polizisten, die stundenlang in der Rauchzone gestanden hatten und die im Einsatz befindlichen Feuerwehrleute sahen aus wie Bergleute, die nach einer Schicht ausgefahren waren. Für die Aachener Berufsfeuerwehr wurde der Ausnahmezustand angeordnet, der erst sechs Tage später als beendet erklärt wurde. Im Laufe des Nachmittags wurden Feuerwehren aus dem Landkreis Aachen und den benachbarten Kreisen angefordert. Auch die Berufsfeuerwehren aus

22. März 1966 Großbrand Firma Englebert




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Köln, Düsseldorf und Bonn schickten entsprechende Hilfskräfte. Tausende von Menschen säumten die Straßen an Rothe Erde und verfolgten, wie sich zuweilen ein glühender Feuerball über dem Werksgelände erhob und dann in einen Funkenregen zusammenfiel, ehe wieder die schwarze Rauchwolke die Szene beherrschte. Insgesamt wurden am ersten Tag des über eine Woche dauernden Einsatzes von der Berufsfeuerwehr Aachen 10 B-Rohre, 10 C-Rohre sowie 2 Wenderohre von Drehleitern eingesetzt. Dazu kamen die vorgenommenen Rohre der auswärtigen Wehren. Erschwerend kam hinzu. daß alle Löscharbeiten unter schwerem Atemschutz stattfanden. Erst nach über einer Woche anstrengender Arbeit konnte ?Feuer aus? gegeben werden. Die Aufräumarbeiten dauerten dagegen noch weitere Wochen.

Am 14. August 1967 stand wieder eine Rauchwolke über ?Rothe Erde". Diesmal war in der Gummiwarenfabrik ?Pongs" ein Großfeuer ausgebrochen. Der Brandherd befand sich in einer Produktionshalle von 120 Meter Länge, in welcher Schaumstoff hergestellt wurde. Das Feuer brach kurz nach Betriebsschluß gegen 17 Uhr aus. Die Flammen griffen auf zwei weitere Hallen im Norden des Fabrikgeländes über. Die Feuerwehr zog alle verfügbaren Kräfte zusammen und alarmierte die dienstfreien Beamten. Die Kreisfeuerwehr Würselen unterstützte die Aachener Kollegen. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf den Hauptkomplex der Fabrik zu verhindern. Zwei Werksangehörige erlitten leichte Verletzungen. Nach 19 Uhr hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle.

Eine Mutter und drei Kinder fanden am 15. April 1969 den Tod in den Flammen. ?Andreas. Heinz, Georg, Andreas....!" Dies waren die letzten Worte, die ein Mensch von Erika Willms (25) hörte. Bei dem Versuch, ihre drei Kinder aus den Flammen zu retten, ereignete sich eine Tragödie. Sie kostete 4 Menschenleben. Die Berufsfeuerwehr und die anerkannte Werkfeuerwehr der Firma Monheim (TRUMPF) bekämpften das Feuer im Hinterhaus am Karlsgraben 19. Unter größten Schwierigkeiten drangen die Feuerwehrmänner in das Haus vor. Sie bargen den Säugling, der jedoch bereits infolge einer schweren Rauchvergiftung verstorben war. lm Schlafzimmer entdeckten sie weitere 2 Kinder - tot. Die Mutter fand man eine Treppe höher - ebenfalls verbrannt - vor der Türe der nicht anwesenden Bewohner der 2. Etage. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß Erika Willms bei dem Versuch, ihre Kinder zu retten, im Flammenmeer des Schlafzimmers den Überblick oder die Orientierung verloren hat. Vom eingeatmeten Rauch und dem Entsetzen geschwächt, muß sie - bereits mit brennenden Kleidern - statt nach unten, die Treppe nach oben gelaufen und dann auf dem Treppenabsatz zusammengebrochen sein. Die Beisetzung der vier Todesopfer erfolgte unter reger Anteilnahme der Aachener Bevölkerung.

Am 24. April 1969 kündeten dichte Rauchwolken im Reichsweg von einem Großfeuer in der ?Rheinischen Nadelfabrik". Aus ungeklärter Ursache brach im Dachgeschoß des Großunternehmens ein Schadenfeuer aus. Um 11.32 Uhr erreichte der 1. Notruf die Feuerwehr. Zwei Löschzüge wurden in Bewegung gesetzt und als das Ausmaß abzusehen war, wurden die dienstfreien Beamten alarmiert. Die Kreisfeuerwehr in Würselen übernahm den Feuerschutz für die Stadt, eine übliche Praxis der damaligen Zeit. Neun Strahlrohre wurden zum Einsatz gebracht. Vernichtet wurde eine große Fläche des Dachstuhles, das Kartonagenlager, das Magazin für Schreibmaterial und das historische Firmenarchiv, welche sich in dem brennenden Dachraum des Nordflügels der Fabrik befanden. Gegen 12.41 Uhr konnte die Meldung ?Feuer aus" gegeben werden.

?15 Millionen Mark Sachschaden am 19.0ktober 1971 durch Großbrand". So berichtete die Presse über ein Großfeuer bei dem Aachener Printenhersteller ?Lambertz". Zwanzig Meter hohe Flammen schlugen bei Ankunft der Feuerwehr aus dem Gebäude an der Borchersstraße. Die Aachener Feuerwehr war mit 20 Fahrzeugen und 40 Personen im Einsatz. Die Berufsfeuerwehr wurde von der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Aachen-Stadt, unterstützt. 80 Kubikmeter fertige Printen verbrannten genauso wie Teile der Fabrikationshallen.

Feuer in der Printenfabrik Lambertz




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