125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen

Emil Lochner

Branddirektor vom 25. Oktober 1871 bis 18. Dezember 1881
* 30. November 1832 in Burtscheid
† 22. Januar 1900 in Aachen
Der Tuchfabrikant Emil Lochner war seit dem 4. März 1859 Mitglied der Aachener Feuerwehr. Er übernahm die Leitung der Aachener Feuerwehr am 1. Februar 1866 als Oberst und wurde 1881 Branddirektor. ln den ersten Jahren forderte er u. a. die Einrichtung einer dauernd besetzen Wache, die Kasernierung des Brandkorps, die Einrichtung eines Feuertelegraphen und die Erstellung eines Übungshauses. Er unterteilte das Stadtgebiet in drei Bezirke, kaufte auf eigene Rechnung zwei Kasernen und mietete eine dritte, finanzierte weiter Ausrüstungsgegenstände und installierte eine Feuermeldeanlage. Als Ergebnis wurde die Aachener Feuerwehr am 26. Oktober 1871 zur Berufsfeuerwehr, die von ihm aber weiterhin ehren- amtlich geleitet wurde. Nach seinem Abgange wurde er zum Ehrenbranddirektor ernannt. Aachen verdankt ihm auch die Anlage eines Zoologischen Gartens [heute Westpark). 1877 legte er die nach ihm benannte Lochnerstraße an. An Auszeichnungen erhielt er den Roten-Adler-Orden lV. Klasse und den Kronen-Orden IV. Klasse.


Josef Schlenter

Branddirektor vom 19. Dezember 1881 bis 15. November 1884
* 10. Dezember 1871 in Vaalserquartier
† 15. November 1884 in Aachen
Am 6. November 1880 wurde der Schermesser-Fabrikant Josef Schlenter zum Brand-Inspektor gewählt und kurz darauf Chef der III. Kompanie. Nach dem folgenschweren Rathausbrand 1883 erkannte er, daß die drei vorhandenen Fußkompanien nicht den erforderlichen Feuerschutz bieten konnten. Er richtete in der Oligsbendengasse die erste mit zwei Pferden bespannte Abteilung ein.

Er bat am 22. Februar 1884 um Entbindung aus seinem Amt aufgrund einer schweren Lungenentzündung, die er sich beim Rathausbrand zugezogen hatte. Bis zu seinem Tode am 15. November 1884 wurde er durch den Brandmeister Classen vertreten. Brandmeister Classen übernahm dann weiterhin die Wehr bis zur Ernennung des neuen Branddirektors.


Robert Hildebrandt

Branddirektor vom 20. März 1885 bis 12.August 1890
* 22. November 1841 in Aachen
† 12.August 1890 in Aachen  
Am 18. September 1882 begann Robert Hildebrandt als Brandmeister bei der Aachener Feuerwehr. Zum Leiter der 1. Kompagnie wurde er am 7. Januar 1885 und kurz darauf am 20. März 1885 zum Branddirektor ernannt. Unter seiner Leitung wurde die Feuerwache in der Vinzenzstraße gebaut, welche mit einer pferdebespannten Abteilung und einer mechanischen Schiebleiter (Turmleiter), System Hönig aus Köln, ausgerüstet wurde. Seine Hauptaufgabe war die Erhöhung der Schlagkraft seiner Wehr, hierzu entwarf er ein lnstruktionshandbuch, das am 1.Juni 1887 eingeführt wurde. Nach längerem Leiden verstarb er am 12. August 1890 im Alter von 48 Jahren.


Ing. Peter Radermacher

Branddirektor vom 24.0ktober 1890 bis 29.Juni 1903
* 28. November 1845 in Aachen
† 29. Juni 1903 in Aachen
Studierte in den 60er Jahren Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Führte danach Abschätzungen von Fabrikanlagen zum Zwecke der Feuerversicherung und Abschätzungen von Brandschäden aus. ln der Offizier-Versammlung am 20.August 1890 wurde er auf Vorschlag des Offizier-Corps zum Branddirektor gewählt. Diese Wahl wurde am 24.0ktober 1890 vom Regierungspräsidenten bestätigt. Am 6. November wurde er in sein Amt eingeführt. Unter seiner Leitung fiel die Zusammenlegung der Städte Aachen und Burtscheid und der Bau der neuen Feuerwache in der Bendstraße. Sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte er am 12. März 1893 und erhielt dafür am 28. Februar 1894 den Königlichen Orden IV. Klasse. Eine besondere Ehre für ihn war der Besuch des Kaiserlichen Branddirektors aus Tokio. Aufgrund einer schweren Krankheit verrichtete er ab Januar 1903 keinen Dienst mehr und starb am 29.Juni 1903 nach längerem Leiden im Alter von 58 Jahren.


Felix Ney

Branddirektor vom 1. Juli 1903 bis 1. April 1907
* 14. Dezember 1861 in Eupen
† 22. April 1934 in Aachen
Der Brandmeister und Seifenfabrikant Felix Ney begann seinen Dienst bei der Aachener Feuerwehr am 24. September 1887 und wurde am 20.August 1890 Chef der l. Kompagnie und zugleich stellvertretender Wehrleiter. Auf eigenen Wunsch wurde er ab 10. Oktober 1892 von der Führung der I. Kompagnie wegen beruflicher Überbeanspruchung entbunden. Am 30. September 1903 wurde er zum Branddirektor und Leiter der Aachener Wehr ernannt. Während seiner Dienstzeit erfolgte die Eingemeindung von Aachen-Forst. Die ehrenamtlich tätigen Offiziere baten ihn, die Leitung der Wehr Berufsoffizieren zu übertragen. In den folgenden Jahren war er Stadtverordneter von 1907 - 1919. Während des Krieges von 1914 - 1918 war er im Auftrage der Stadt Leiter der Jugendwehr Aachen, in der November-Revolution Inhaber des Königlichen Roten Adlerordens IV. Klasse, Inhaber der Landwehr-Dienstauszeichnung l. Klasse und Erinnerungszeichen für Verdienste im Feuerlöschwesen. Das bei der Aachener "Erholungs-Gesellschaft" bestehende Archiv wurde von ihm in mühevoller Arbeit geschaffen.


Dr.- Ing. Wilhelm Scholz

Branddirektor vom 6. Mai 1907 bis 31. August 1917
* 14. November 1877 in Berlin
† 16. September 1957 in Hofgeismar
Der von der Frankfurter Berufsfeuerwehr kommende Brandmeister Scholz wurde am 28. Mai 1907 als erster Berufsoffizier eingeführt. Er promovierte im Jahre 1913 zum Dr.-Ing. Ab dem 10. August 1909 Dozent für Feuerlöschwesen an der Kgl. Technischen Hochschule zu Aachen. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er am 1. August 1914 zum Heeresdienst eingezogen. Branddirektor Scholz, der als Hauptmann d.R. (beim Kaiser Franz Garde Grenadier Rgt. Nr. 2] im Felde sein rechtes Bein verlor, wurde im August 1917 mit dem Ausdruck aufrichtigen Bedauerns und unter besonderer Anerkennung der der Stadt geleisteten vorzüglichen Dienste verabschiedet. Dr. Scholz legte aus dem gleichen Anlaß die Dozentur für Feuerwesen an der Kgl. Technischen Hochschule zu Aachen nieder. 1918 wurde er Direktor der Motorwagen Fabrik Adam Opel und 1924 technischer Direktor. lm Jahr 1925 stieg er zum Generalsekretär des Reichsverbandes der Automobilindustrie auf.


Ing. Joseph Beduwe

Brandmeister vom 1. August 1914 bis 31. August 1919 Branddirektor vom 1. Juli 1926 bis Oktober 1932
* 22. Juni 1866 in Aachen
† 8. Februar 1942 in Aachen  
Am 28. Mai 1892 wurde Ing. Josef Beduwe mit Genehmigung der Königlichen Regierung eingestellt und zum Brandmeister ernannt. Im Mai 1917 wurde er als Branddirektor der hiesigen Berufsfeuerwehr angestellt. Er wurde wegen seiner Verdienste um die Feuerwehr während der Kriegszeit zum Ehrenbranddirektor ernannt. lm August 1917 erhielt Branddirektor Beduwe das Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen. Der Minister der Geistlichen- und Unterrichtsangelegenheiten genehmigte im Februar 1918. daß die bei der Errichtung für wirtschaftliche lngenieurstudien an der hiesigen Techn. Hochschule vorgesehene Dozentur für Feuerwehrwesen dem Branddirektor Beduwe übertragen wurde.

Er übernahm nochmals die Leitung. Angesichts der Wirtschaftskrise führte er 1931 eine Umorganisation durch, wobei sich das Personal von 107 auf 97 Mann verringerte. Eine weitere Reduzierung erfolgte ein Jahr später auf 85 Mann.


August Schulzen

Branddirektor vom 1. September 1919 bis Juli 1926
* 21. Februar 1882 in Deidenberg (Keis Malmedy)
† 27. Dezember 1928 in Aachen
Im Dienst der Stadt Aachen seit dem 1. August 1904. Nach der erfolgreichen Bewerbung als Feuerwehroffizier wurde er nach seiner Volontärzeit in Hamburg und Berlin am 1. Februar 1908 als Brandmeister bei der städtischen Berufsfeuerwehr angestellt. Er begann 1908 mit der Beschaffung eines Automobilfahrzeuges und ersetzte 1921 das letzte pferdebespannte Fahrzeug, studierte nebenher von 1908 bis 1911 an der TH Maschinenbau und war ab 1913 Vertreter des Branddirektors. Unter seiner Leitung fiel das 50. Bestehen der Berufsfeuerwehr Aachen. Am 9. Januar 1925 erlitt er einen Schlaganfall und war seit dieser Zeit dienstunfähig. Er wurde vertreten durch den Brand-Ingenieur Bode der aber auch am 24. März 1925 starb. Wurde dann durch Brand-Ingenieur Senf bis Juli 1926 vertreten.


Dr.-lng. Heinrich Oster

Branddirektor/Oberstleutnant der Feuerschutzpolizei vom 17. Oktober 1932 bis 1. Dezember 1944
* 22.Mai 1891 in Aachen
† 9. August 1957 in Aachen
Der Maschineningenieur und städtische Baurat Dr.-Ing. Heinrich Oster wurde am 17. Oktober 1932 zum Branddirektor ernannt und übernahm, zunächst neben seiner Tätigkeit als Baurat bei der Stadt Aachen, die Leitung der Berufsfeuerwehr. Im Jahre 1933 wurde er hauptamtlicher Leiter der Wehr. Nach Inkrafttreten des Gesetzes über das Feuerlöschwesen für Preußen am 1. Januar 1934 wurde er zum Kreisfeuerwehrführer bestellt und auf höheren Befehl am 1. Dezember als Führer der Feuerwehr Litzmannstadt abgeordnet.


Ing. Wilhelm Jackels

Brandrat von Ende 1944 bis 22.10.1950
Oberbrandrat vom 1. Oktober 1959 bis 31.Mai 1971
* 22. Mai 1891 in Aachen
Die englische Besatzung beauftragte den Betriebsingenieur Wilhelm Jackels, gemeinsam mit dem damaligen Leiter des Luftschutzes, Herr H. Beckers, zur Bildung eines Selbstschutzes gegen Bombenangriffe, Brände und Gebäudeeinstürze. Nach dem Ausscheiden des H. Beckers, am 1.10.1945, wurde Herr Jackels zum Leiter der Feuerwehr Aachen bestimmt.

Am 23.10.1950 übernahm Oberbrandrat Dipl.-lng. B. Scholten die Leitung der nun wieder existierenden Berufsfeuerwehr. Herr Jackels wurde zu seinem Stellvertreter ernannt.

Am 23.10.1959 schied H. Scholten, wegen Erreichung der Altersgrenze, aus dem Dienst aus. Herr W. Jackels wurde zum zweiten Mal mit der Leitung der Aachener Feuerwehr betraut.

Nach 26 Jahren, ein halbes Jahr vor dem 100-jährigen "Geburtstag" der Wehr, erreichte Herr Oberbrandrat Jackels die Altersgrenze und verließ am 31.Mai 1971 die Aachener Feuerwehr.


Dipl.-lng. Bernhard Scholten

Oberbrandrat vom 23. 0ktober 1950 bis 30. September 1959
* 10. August 1892 in Köln
† 16. November 1966 in Aachen  
Am 9. Februar 1925 wurde er als Volontair-Brandingenieur eingestellt und anschließend Brandingenieur bis zum 30.April 1937. In den nächsten Jahren übernahm er folgende Posten:

- 31.01.40 Branddirektor in Gelsenkirchen
- 31.03.44 Oberstleutnant und Leiter der Feuerschutzpolizei in Leipzig
- 09.04.45 Feuerschutzpolizei in Königsberg
- 24.10.48 Russische Kriegsgefangenschaft
- 20.10.50 Werkschutz in der Industrie

Vom 23. Oktober 1950 bis zum 30.September 1959 leitete er als Oberbrandrat die Berufsfeuerwehr Aachen.


Dipl.-lng. Joachim Starke

Ltd. Branddirektor vom 1. Juni 1971 bis 31. Mai 1989
* 3. Mai 1929 in Wachsdorf (Schlesien)
† 11. Januar 2010 in Aachen
Am 1. Juni 1971 wurde Herrn Brand-Assessor Dipl.-Ing. Joachim Starke die Leitung der Städtischen Feuerwehr Aachen sowie des Amtes A 64 (später A 37) übertragen.

Ab 1977 Leiter der AGBF-NRW. Ab November 1981 Vertreter der Berufsfeuerwehren des Bundes im Präsidium des Deutschen Feuerwehrverbandes. lm Februar 1983 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren Deutschlands.

BD Starke wurde im Jahre 1985 zum Leitenden Branddirektor ernannt und im Jahre 1986 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Im Jahre 1988 erhielt er vom IM NRW, Herrn Dr. Schnoor, das Feuerwehr-Ehrenzeichen der Sonderstufe in Silber für seine herausragenden Leistungen in den Ausschüssen der FW-Verbände und vor allem für den Einsatz der Zusammenarbeit zwischen BF und FF.



Dr.-lng. H. Dieter Nüßler

Ltd. Branddirektor seit dem 1. Juni 1989
* 23. Februar 1950 in Liebenau Kreis Nienburg/Weser
Nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent begann er 1981 als Beamter der Stadt Nürnberg seine Laufbahn bei der Berufsfeuerwehr. 1983 wechselte er in den Dienst der Stadt Aachen und übernahm am 1.6.1989 die Leitung der Feuerwehr.

Seine Arbeit ist von dem Bestreben gekennzeichnet, die Feuerwehr zu einem technisch und taktisch modern ausgerichteten Dienstleistungsbetrieb der Gefahrenabwehr mit hoher Schlagkraft fortzuentwickeln.

Vor allem seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Gefahrguteinsatzes führten konsequenterweise zu zahlreichen Berufungen bzw. zum Vorsitz in Gremien des Landes Nordrhein-Westfalen, des Landesfeuerwehrverbandes LFV NW, des Deutschen Feuerwehrverbandes DFV und des welt- weiten Feuerwehrverbandes CTIF.

Insbesondere die Auszeichnung der Euregio Maas-Rhein mit der selten verliehenen Euregio-Rosette ehrt seine Bemühungen als Vertreter der Europastadt Aachen, die Feuerwehr in nachbarschaftlichem Geist als wichtigen Faktor bei der europäischen Integration einzubringen. Dieses "europäische Feuerwehrdenken" führte auch zur Berufung in die 1995 gegründete Föderation der Feuerwehrverbände der Europäischen Union (FEU) durch den Deutschen Feuerwehrverband sowie die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb).

In seiner Amtszeit ist auch die Umstrukturierung der Verwaltung unter dem Stichwort Neue Steuerung mit dezentraler Ressourcenverantwortung in vollem Gange.

Für eine gute und schlagkräftige Feuerwehr sind dabei gut ausgebildete und leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die wertvollste und wichtigste "Ressource". Das wird auch in dem Motto "Menschen schützen Menschen"" deutlich.

In diesem Jubiläumsband gebührt daher allen zu Beginn des Jubiläumsjahres im Dienst befindlichen 274 Angehörigen der Berufsfeuerwehr Aachen Raum zur Vorstellung mit Namen, Dienstgrad und Eintrittsjahr.