125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
Europäisches "Feuerwehr-Dach" in Hannover gezimmert

Aufatmen allenthalben, verbreitete Zuversicht und überall zufriedene Gesichter: Der Schulterschluß der nationalen Feuerwehrorganisationen in Europa ist geglückt! Auf der Interschutz '94 trafen sich Feuerwehroffiziere aus zwölf europäischen Staaten und erarbeiteten in einer ganztägigen Mammutsitzung die Satzung einer "Föderation der Feuerwehrverbände der Europäischen Union", abgekürzt F.E.U.. Diese Föderation als gemeinsames europäisches Dach der Feuerwehren soll in Brüssel eine Lobby für alle Belange der Wehren schaffen und das EG-Parlament fachlich beraten. Dazu soll die F.E.U. eine einheitliche europäische Meinung zu Feuerwehrfragen formulieren.

In einer gemeinsamen Verlautbarung von DFV und vfdb heißt es: "Ziel dieser Föderation ist es, die europäische Union (EU) bei der Entscheidungsfindung in Fragen des Vorbeugenden und Abwehrenden Brandschutzes, der Technischen Hilfeleistung, des Abwehrenden Umweltschutzes und anderer, auch grenzüberschreitender Notfallhilfe bis hin zur Katastrophenhilfe zu beraten".

Hierzu gilt es, eine einheitliche europäische Meinung zu Feuerwehrfragen zu formulieren. Mit dieser einheitlichen Auffassung sucht die Föderation bei den Gremien der EU, aber insbesondere bei den jeweiligen nationalen Europa-Parlamentariern, den fachlichen Einfluß zu gewinnen, der für sachgerechte europäische Entscheidungen im Sinne aller Feuerwehren notwendig ist.

Von zentraler Bedeutung für eine künftige Arbeit der F.E.U. ist die möglichst enge Anbindung des Sekretärs an den Informationsstrang der Europäischen Union. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen über die maximal drei Delegierten je Land an die die F.E.U. tragenden nationalen Verbände (in Deutschland sind das DFV und vfdb) vermittelt werden, um dort von Fachleuten be- und verarbeitet zu werden.

Ganz bewußt ist die Föderation so strukturiert, daß auf eine in den Verbänden übliche Hierarchie (z.B. Präsidium oder Vor-



Interschutz 1994 - Messestand des Landes NRW



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stand) verzichtet wurde. Dadurch soll deutlich gemacht werden, daß die europäische Arbeit nicht nur von einzelnen Personen in diesem Gremium getragen wird, sondern gemeinsam von den angeschlossen Verbänden (siehe Schema-Abbildung).

In der Satzungskommission in Hannover arbeiteten von deutscher Seite Branddirektor Peter Döbbeling (Ludwigshafen) und Ltd. Branddirektor Dr. Dieter Nüßler (Aachen) mit. Nüßler war gleichzeitig Moderator der dreisprachig tagenden Versammlung.

Auch der DFV-Vizepräsident Waldemar Steuer (Werkfeuerwehrverband), AGBF-Vorsitzender Oberbranddirektor Dieter Farrenkopf (Hamburg) und vfdb-Vorsitzender Ltd. Branddirektor Hans-Jochen Blätte (Wuppertal) waren beim „Anschub“ dabei. Steuer nannte als Ziele der gemeinsamen Arbeit u.a. eine Vereinheitlichung der Ausbildung; es müßten Mindestanforderungen an die Ausbildung eines europäischen Feuerwehrmanns festgelegt werden. Nicht nur die Normung von Fahrzeugen und Geräten dürfe im Vordergrund stehen.

Blätte wertete es als "hervorragende Idee, sich an einen Tisch zu setzen. Wir in Europa sind in einem Boot, aber die Feuerwehr rudert in diesem Boot ganz hinten mit". Farrenkopf freute sich, "daß die Berufsfeuerwehren die Initiative ergriffen haben, in der europäischen Vereinigung der Feuerwehren einen Schritt nach vorne zu gehen". Er wie Vizepräsident Steuer betonen mehrfach, daß unter dem Dach der Föderation alle Feuerwehrsparten mitwirken müßten, insbesondere die Freiwilligen Feuerwehren.





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