125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
Lange Zeit fand auch in Aachen die Brandbekämpfung, mit völlig unzureichenden Mitteln, durch Nachbarschafts- und Bürgerhilfe statt. Von systematischen und geordneten Löschmaßnahmen konnte keine Rede sein. Selbst ein einzel- ner, kleiner Brand konnte sich so zur Gefahr für die gesamte Stadt entwickeln. Mehrere große Brände, bei denen weite Teile des damaligen Stadtgebietes eingeäschert wurden, geben davon Zeugnis. Durch den Rat erlassene Feuerordnungen sollten eine koordinierte Brandbekämpfung ermöglichen. Geeignete Berufsstände und Zünfte wurden zur Bedienung der Feuerlöschgeräte und zur Hilfeleistung verpflichtet. Ständig war man um die Verbesserung des Brandschutzes in der Stadt bemüht. Die 1836 erlassene Feuerordnung für Aachen sah als wesentliches Merkmal ein uniformiertes Brandkorps vor, welchem erstmals freiwillig beigetreten werden konnte. Das, damals aus acht Kompagnien bestehende, städtische Brandkorps kann damit sicherlich als eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren unseres Landes bezeichnet werden.

Der Anstieg der Einwohnerzahlen, die aufkommende Industrialisierung und die flächenmäßige Ausweitung der Bebauung erforderten eine Neuorganisation der Wehr. Mit Inkrafttreten einer neuen Feuerordnung am 1. November 1871 wurde das freiwillige Brandkorps nach und nach in eine bezahlte, ständig einsatzbereite Berufsfeuerwehr umgewandelt.

Auch im Aachener Umland wurde die Notwendigkeit einer schlagkräftigen Feuerwehr erkannt. So wurde im Jahre 1874 die Freiwillige Feuerwehr Laurensberg und 1881 die Freiwillige Feuerwehr Kornelimünster gegründet. Die Freiwillige Feuerwehr Haaren folgte 1884; diese wurde 1895 um den Löschzug Verlautenheide erweitert. In der Gemeinde Brand entschloß man sich 1900 zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, ihr schloß sich Richterich 1901 an. Die bis 1906 selbständige Gemeinde Forst richtete 1903 eine Freiwillige Feuerwehr ein. Mit der Eingemeindung von Forst nach Aachen wurde die Wehr als städtische Freiwillige Feuerwehr übernommen und unterstützte die Aachener Berufsfeuerwehr bei Großbränden oder bei Einsätzen im ehemaligen Forster Gemeindegebiet. Auch in Walheim erkannte man die Erfordernis einer geordneten, zeitgemäßen Brandbekämpfung und gründete 1905 eine Freiwillige Feuerwehr. Es sollte jedoch noch bis zum Jahre 1909 dauern, bis auch diejüngste Freiwillige Feuerwehr im heutigen Stadtgebiet, die Freiwillige Feuerwehr Eilendorf, ihren Dienst aufnehmen konnte. Die einzelnen Wehren waren recht unterschiedlich ausgestattet. Noch lange mußten die Löschgeräte von Hand und später durch angemietete Pferde zur Brandstelle gezogen werden. Die Ausrüstung mit Kraftfahrzeugen erfolgte teilweise erst in den dreißiger Jahren.

Auch für die Feuerwehren begann ab 1939 eine schwierige Zeit. Der Krieg riß in die Personalbestände der Wehren große Lücken. Dienstverpflichtete sollten dafür einen Ausgleich schaffen. Die Freiwilligen Feuerwehren des Umlandes mußten, nach den schweren Luftangriffen auf die Stadt Aachen, mehrfach zur Nachbarschaftshilfe in der Kaiserstadt eingesetzt werden. Viele Angehörige der Wehren kamen in diesen Jahren um. Gegen Ende des 2. Weltkrieges, im Jahre 1945, löste sich die Forster Feuerwehr auf. Auch in den anderen Freiwilligen Feuerwehren boten sich trostlose Bilder. Fahrzeuge und Geräte waren größtenteils zerstört oder abhandengekommen. Mit den noch vorhandenen, teils unzulänglichen Geräten wurde der Neuaufbau begonnen. Neue Fahrzeuge und Geräte wurden angeschafft, die Gerätehäuser hergerichtet.

Während die meisten Großstädte neben Berufsfeuerwehren über Freiwillige Feuerwehren verfügten, war die Berufsfeuerwehr Aachen seit 1945 alleine für den Brandschutz im Stadtgebiet zuständig. Das Großfeuer bei der Firma Englebert im Jahre 1966 machte jedoch deutlich, daß Einsätze dieser Größenordnung durch die Berufsfeuerwehr alleine nicht zu bewältigen waren. So rief die Stadt Aachen, im Januar 1967, öffentlich zur Neubildung einer Freiwilligen Feuerwehr auf.

"Wer ein rechter Bürger sein will, der muß sich auch einmal für die Stadt und damit für das Gemeinwohl einsetzen"

Mit diesen und ähnlichen Worten appellierten auf der Wiedergründungsversammlung der damalige Oberstadtdirektor Dr. Kurze und Beigeordneter Dr. Papen an die Tugenden jener Bürger der Stadt Aachen, die sie für einen Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr gewinnen wollten.

Gleichzeitig aber galt ihre Anerkennung den Männern, die an diesem Abend zur Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Aachen zur Hauptfeuerwache gekommen waren, um sich bereitzuerklären, persönliche Opfer im Dienste „vaterstädtischer" Aufgaben aus freien Stücken auf sich zu nehmen.

An diesem Abend erklärten 30 Aachener Bürger - Handwerker, Kaufleute, Landwirte, Techniker, Architekten und Studenten - schriftlich ihren Beitritt; der Beitritt von 10 weiteren Bürgern



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war zu erwarten und auch 20 Mitglieder des Zivilen Brandschutzdienstes erwägten, sich der neuen Truppe der freiwilligen Wehrmännern anzugliedern. Unter den 30 Aachener Bürgern befanden sich auch die 13 Bürger des Ortsteiles Sief, die sich bereits auf einer Vorversammlung in der Gaststätte Radermacher ( „Bei Pitter") im Januar 1967 zur Mitarbeit entschlossen hatten.

"Wir sind mit dem überraschend guten Meldeergebnis zufrieden, übertrifft es doch unsere Erwartungen",

kommentierte der Leiter der städt. Feuerwehr, Oberbrandrat Jackels, das Ergebnis und Oberstadtdirektor Dr. Kurze ergänzte,

"die Stadt werde sich künftig mit Stolz an die Wiedergründung erinnern".

Mit dem 20. März 1967 hatte also Aachen wieder eine Freiwillige Feuerwehr, nach dem die Tradition zu Ende des letzten Krieges unterbrochen wurde, als die Forster Wehr in einem der Bombenangriffe zerschlagen wurde und damit die letzte frei- willige Truppe ihrer Art in Aachen praktisch zu existieren aufgehört hatte. Zumal auch die amerikanische Besatzungsarmee die Existenz einer Freiwilligen Feuerwehr nicht für notwendig hielt. Im Rückblick stellt sich automatisch die Frage nach den Gründen, die zur Wiedergründung geführt haben.

Hauptanlaß war sicherlich der Großbrand in der Reifenfabrik der Uniroyal Englebert Deutschland AG, der vom 22. bis 30. März 1966 dort wütete und einen geschätzten Schaden in Höhe von 30 Millionen Mark verursachte. Eingesetzt waren
  • alle Kräfte der Berufsfeuerwehr Aachen,
  • die Kreisfeuerwehr,
  • die Freiw. Feuerwehren aus dem Landkreis und Regierungsbezirk Aachen,
  • die Berufsfeuerwehren aus Köln und Düsseldorf,
  • die Werkfeuerwehren der Knapsack Griesheim AG und der Firma Total aus Ladenburg sowie Freiwillige Feuerwehren aus dem Regierungsbezirk Köln.


Dieser Großeinsatz bei Uniroyal Englebert zeigte eindeutig, daß der Brandschutz Aachens personell wie materiell bei weitem nicht ausreichte, um einen Brand dieser Größe ohne fremde Hilfe in den Griff zu bekommen. So forderte dann auch die Aufsichtsbehörde eine erhebliche personelle Aufstockung der Berufsfeuerwehr und regte darüber hinaus die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr an.

Die Gründungsmitglieder




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Die Entscheidung der Aufsichtsbehörde bedeutete für die Stadt Aachen eine bedeutende Belastung ihres Personaletats. Um eine kostengünstige Lösung herbeizuführen, entschloß man sich, einen Teil Berufsfeuerwehrmänner einzustellen und den größten Teil des Personalbedarfs durch die Wiedergründung einer Freiwilligen Feuerwehr zu decken. Um das Personal für die Freiw. Feuerwehr warb man regional und überregional in zahlreichen Presseartikeln.

So schrieb u. a. die Aachener Volkszeitung AVZ in ihrer Ausgabe vom 21.1.1967:

  • "Seit 23 Jahren hat Aachen - im Gegensatz zu nahezu allen anderen Städten - keine Freiw. Feuerwehr mehr. Das führt dazu, daß bei großen Schadenfeuern und Notständen unter Umständen die Kräfte der Berufsfeuerwehr nicht ausreichen. Beispielsweise kamen im vergangenen Jahr bei dem Brand im Englebert-Werk tagelang die Feuerwehrleute nicht von der Brandstelle oder aus der Kaserne. Wie in anderen Städten soll deshalb zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr auch in Aachen wieder eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen werden. In Sief ist bereits ein Anfang gemacht worden. Nach einem Gespräch, das Oberbrandrat Jackels mit 15 jungen Bürgern im Restaurant Radermacher geführt hat, haben sich 13 Männer zur Mitarbeit bereiterklärt. Oberstadtdirektor Dr. Kurze hofft, daß es auch in anderen Stadtteilen gelingen wird, solche Gruppen von Freiwilligen aufzustellen. Diese Gruppen sollen von der Stadt ausgerüstet werden, auch an entsprechende Zuschüsse zur Pflege des geselligen Zusammenhalts ist gedacht. Freiwillige Feuerwehrleute sollen nicht nur notfalls als unentbehrliche Retter von Leben und Gut ihrer Mitbürger zur Verfügung stehen, sie sollen der Stadt auch Steuergelder sparen helfen. Eine personelle Verstärkung der Berufsfeuerwehr würde im Haushalt der Stadt erheblich zu Buche schlagen und sich - so oder so - zu Lasten der Bürger auswirken. Das aber möchte die Stadt vermeiden. Auch das ist einer von mehreren Gründen, die den Oberbürgermeister und den Oberstadtdirektor veranlaßt haben, an junge Bürger zwischen 17 und 45 Jahren zu appellieren. Wer als freiwilliger Feuerwehrmann mithelfen möchte, kann sich zwischen dem 23. Januar und dem 18. Februar bei der Berufsfeuerwehr persönlich, schriftlich oder telefonisch melden."

In einem Kurzbericht schrieb die Bild-Zeitung am 21.1.1967:

  • "Männer für die Freiw. Feuerwehr sucht die Stadt Aachen, um Haushaltskosten zu sparen. Die notwendige Verstärkung der Berufsfeuerwehr ist der Stadt zu teuer. Oberstadtdirektor Dr. Kurze: Jeder angestellte Feuerwehrmann kostet seine 15.000 Mark. Das Alter der Freiwilligen muß zwischen 17 und 45 Jahren sein."

Für die Gründungsmitglieder und die nachgemeldeten Mitglieder begann nach der Gründung die harte Zeit der intensiven Ausbildung und Schulung durch die Kollegen der Berufsfeuerwehr. Fahrzeuge und Geräte wurden vom Katastrophenschutz zur Verfügung gestellt. Die Unterbringung der Mitglieder erfolgte vorerst in den Kellerräumen der Hauptwache.

Bereits ein Jahr später, nach erfolgter Grundausbildung, konnten die ersten Ernennungs- und Beförderungsurkunden überreicht werden. Auch leisteten die Männer in Unterstützung der Kollegen der Berufsfeuerwehr bereits wertvolle Einsatzhilfe.

Die folgenden Jahre waren durch weitere Schulungen, Ausbildungen und Übungen geprägt. Insbesondere waren Sonderlehrgänge für Sonderfunktionen durchzuführen sowie vor allen Dingen die nicht vorhandene eigene Führungsmannschaft heranzubilden, um an der Landesfeuerwehrschule entsprechende Lehrgänge durch geeignete Kräfte belegen zu können.

Bereits 1971 war die Wehr in der Lage, ihre Geschicke und die Ausbildung in die eigenen Hände zu nehmen. Die bis heute bestehende Ausbildungsabteilung wurde im gleichen Jahr gegründet.

Ausbildung und Übungen fanden unter Anleitung erfahrener Angehöriger der Berufsfeuerwehr statt. Die vom Katastrophenschutz gestellten Fahrzeuge, der in zwei Löschzüge und eine Ausbildungsabteilung zusammengefaßten Wehr, waren provisorisch in Depots in der Kurfürstenstraße und in der Viehhofstraße untergestellt. Erst im Juni 1973 konnte der Löschzug Stadtbezirk eine eigene Unterkunft am Grünen Weg beziehen.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung am 1.1.1972 wurden die bisher selbständigen Wehren Brand, Eilendorf, Haaren, Kornelimünster, Laurensberg, Richterich, Walheim sowie der Löschzug Verlautenheide der Haarener Feuerwehr, als Löschzüge mit eigenen Deckungsbereichen in die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Aachen eingegliedert. Dadurch erhöhte sich die Personalstärke von 90 auf 380 Mitglieder. Zunächst gehegte Befürchtungen, daß die bis dahin eigenständigen Wehren ein Schattendasein führen, oder gar aufgelöst wür-



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den, konnten schnell zerstreut werden. Die Löschzüge der hinzugekommenen Stadtteile wurden auch weiterhin zu jedem Feuereinsatz sowie zu besonderen technischen Hilfeleistungen in ihrem Deckungsbereich zusätzlich zur Berufsfeuerwehr alarmiert und eingesetzt. Die Alarmierung des Löschzuges Stadtbezirk erfolgte hingegen nur zu größeren Einsätzen im ehemaligen Stadtgebiet. Bei besonderen Schadenslagen und bei Masseneinsätzen erfolgt der Einsatz der Löschzüge auch außerhalb ihres eigentlichen Deckungsbereiches.

Mit der Gründung des Feuerwehrverbandes der Freiwilligen Feuerwehr des Stadtkreises Aachen im Jahre 1973 schloß man die Löschzüge auch vereinsmäßig zusammen. Der Verband ist die Interessenvertretung seiner Mitglieder und dient zur Pflege der Kameradschaft sowie zur Förderung der Ausbildung und des Nachwuchses im Brandschutzwesen.

Im gleichen Jahr begann man mit dem Aufbau einer Jugendfeuerwehr. Diese Jugendorganisation der Freiwilligen Feuerwehren dient zur Nachwuchsförderung und Jugendpflege. Die Jugendfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr Aachen ist heute in 4 Gruppen eingeteilt, in denen die Jugendlichen benachbarter Löschzüge zusammengefaßt sind. Kurze Zeit später standen bereits weitere Veränderungen an. Die Löschgruppe Sief des Löschzuges Stadtbezirk erhielt Anfang 1974 einen eigenen Deckungsbereich und wurde selbständiger Löschzug. Die hohe Personalstärke (ca. 90 Mitglieder) des Löschzuges Stadtbezirk machte 1980 eine Aufteilung in zwei selbständige Löschzüge, Mitte und Nord, erforderlich. Das alte Stadtgebiet wurde nach taktischen Gesichtspunkten aufgeteilt und jeder der beiden Löschzüge erhielt einen eigenen Deckungsbereich.

Die bei der kommunalen Neugliederung übernommenen Wehren verfügten zum Teil über nicht mehr zeitgemäße Gerätehäuser sowie über einen unzureichenden Fahrzeug- und Gerätebestand. Die Fahrzeug- und Geräteausstattungen aller Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Aachen konnten, im Laufe der Zeit, auf einen den heutigen Erfordernissen entsprechenden Stand gebracht werden. Die Gerätehäuser wurden modernisiert, erweitert oder durch Neubauten ersetzt. Auch die Alarmierungsmöglichkeiten der Löschzüge wurde verbessert. Zusätzlich zur Alarmierung über Sirenensignale kann ein Großteil der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr über Funkmeldeempfänger zu Einsätzen gerufen werden.

Die Freiwillige Feuerwehr nach einem Übungseinsatz




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