125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
Die besonderen Einsätze in den Jahren 1971 - 1995 Ein riesiger Rauchpilz stand am 10. April 1972 über dem Industriegebiet an der Jülicher Straße. Ein Großfeuer war in der Waggonfabrik Talbot ausgebrochen. Vier Fabrikationshallen brannten in voller Ausdehnung. Das bedeutete höchste Alarmstufe für die Feuerwehr Aachen. Die Berufsfeuerwehr und alle Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehren kamen zum Einsatz. Während der Löscharbeiten wurde der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Aachen, Herr Brandoberamtmann P. Peters, schwer verletzt. Er stürzte durch einen brennenden Dachstuhl einer Fabrikationsanlage fünf Meter in die Tiefe. Mit schweren Verletzungen wurde er ins Krankenhaus transportiert. Ferner wurden 2 Feuerwehrleute und ein Betriebsangehöriger leicht verletzt. In der vernichteten Fabrikationshalle befanden sich bei Ausbruch des Brandes wertvolle Maschinen. Es entstand ein Sachschaden von ca. acht bis zehn Millionen Mark.

Auf der Bahnstrecke Aachen - Lüttich kam es am 28. Mai 1974 zu einem schweren Zugunglück. Kurz vor vier Uhr, 2 km vom belgischen Ort Welkenrath entfernt, näherte sich der D 232 auf Gleis 1 dem „Aachener Buschtunnel“ (Ronheide), der die Lütticher Straße unterquert. Durch den Tunnel führt nur ein einziges Gleis. Auf dem Gleis 8, vor dem Tunneleingang, fuhr zur gleichen Zeit ein Güterzug aus Köln auf die Weiche zu. Dann gab es ein ohrenbetäubendes Krachen. Halb im Tunnel, halb draußen stand die Lokomotive des D 232 quer auf den Gleisen. Sie hatte sich von ihrem ersten Wagen losgerissen. Dahinter lagen zwei umgestürzte Wagen des D-Zuges. Rechts gegenüber lag, ebenfalls gekippt, die Zugmaschine des Güterzuges. Die Feuerwehr löste Großalarm aus.

28. Mai 1974 - Zugunglück auf der Bahnstrecke Aachen - Lüttich


Sechzehn Ausländer und vier Deutsche wurden verletzt. Der einzige Schwerverletzte war ein deutscher Zollbeamter. Es ist bei einer "Beinahe-Katastrophe", wenigstens was Menschenleben betrifft, geblieben. Der D-Zug war nur zur Hälfte gefüllt (250 Personen). Taxis brachten die Unverletzten fort. Das einzige Tunnelgleis war mehrere Tage gesperrt. Grenzüberschreitende Züge wurden über den Bahnhof Aachen-West nach Belgien dirigiert.

Ein Großfeuer brach am 11. Juni 1976 in einer Holzhandlung an der Schleswigstraße aus. Die Holzhandlung lag in einem dichtbesiedelten Wohngebiet. Innerhalb kürzester Zeit stand der gesamte Holzlagerplatz in hellen Flammen. Alarmiert wurde die gesamte Berufsfeuerwehr sowie die Freiwillige Feuerwehr mit den Löschzügen Aachen-Stadt, Brand, Eilendorf, Kornelimünster und Richterich. Besonderen Schutz brauchten die Wohnhäuser in der Elsaßstraße. Alle verfügbaren Hydranten im Gebiet wurden angeschlossen. Eine große Anzahl von Rohren wurden vorgenommen. In einem Abschnitt standen die Strahlrohrführer in einem Abstand von nur 3 Meter auseinander und schleuderten Wasser in das Inferno. Die Flammen loderten bis zu 40 Meter hoch. Besonders gefährdet war ein Altenwohnheim, welches direkt an das Holzlager grenzte. Es gelang jedoch das Entzünden dieses Stapels zu verhindern, so daß die Gefahr für das Altenheim gebannt war.

11. Juni 1976 - Großbrand einer Holzhandlung an der Schleswigstraße


Am 15. November 1976 kam es zu einer Gasexplosion im Keller eines Wohnhauses an der Sandkaulstraße. Just zu dem Zeitpunkt der Explosion kam eine Schulklasse von 12-jährigen Kindern vom Schwimmunterricht an dem Hause vorbei. Kurze Zeit später schrieen blutverschmierte Kinder, die in panischer Angst durcheinanderliefen. Fahrbahn und Bürgersteig waren mit Glasscherben übersät. Die Kellerdecke des Hauses war zusammengebrochen. Die Feuerwehr löste Großalarm für Brandschutz- und Rettungsdienst aus. 20 verletzte Kinder



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und eine verletzte Frau mußten in Aachener Krankenhäuser gefahren werden. Von den Hausbewohnern wurde niemand verletzt.

17. Juni 1988 - Großbrand in einer Lagerhalle


Ein Großbrand seltenen Ausmaßes griff am 17. Juni 1988 in den Abendstunden im Industriegebiet Rothe Erde um sich. Innerhalb kürzester Zeit standen mehrere Lagerhallen mit Materialien aus Polyester, Polyamid und Polyacryl in hellen Flammen. Dicke pechschwarze und kilometerweit sichtbare Rauchwolken sorgten dafür, daß in der ansonsten ruhigen Straße das reinste Verkehrschaos ausbrach. Aus allen Teilen der Stadt kamen Schaulustige. Der Einsatz von 2 Zügen der Berufsfeuerwehr und 8 Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr wurde ernsthaft behindert. Eine große Anzahl von Anwohnern mußten ihre Wohnungen verlassen und wurden in Notquartieren betreut. Ein Übergreifen des Feuers auf einen Lebensmittelmarkt, der in unmittelbarer Nähe lag, konnte verhindert werden.

16. April 1991 - Meterhohe Schneeverwehungen in Richterich / Horbach


Meterhohe Schneeverwehungen, Sturmböen der Windstärke 10, zwei Dutzend gesperrte Straßen, eingeschneite Autos, umgekippte Lkws - der Aachener Winter zeigte sich am 16. April 1991 von seiner wildesten Seite. Die Feuerwehr setzte schwere Räumfahrzeuge ein, um festliegende Autos zu bergen, Menschen aus diesen Autos zu holen und in warme Unterkünfte zu bringen. Besonders kritisch war es auf der Straße zwischen dem niederländischen Grenzübergang Locht und dem Ortsteil Richterich. Dort waren gleich zwei Dutzend Autos und ein Schulbus eingeschneit. Berufs- und Freiwillige Feuerwehr holten die Menschen aus ihren Fahrzeugen. Im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Richterich gab es heiße Getränke und Verpflegung.

Am 6. November 1991 wurde um 12.54 Uhr ein größeres Feuer in der Adalbertstraße, einer Einkaufsstraße in der Fußgängerzone, gemeldet. Das Feuer war in einem zweigeschossigen Kaufhaus, dem "Haus für Alle" ausgebrochen. Ein in der Nähe befindlicher Einsatzleiter der Feuerwehr erkannte sehr schnell die Gefahr, ordnete Alarmstufe III an und kümmerte sich um die Räumung des Kaufhauses. Vier Personen konnte er über die Treppe hinausführen.

6. November 1991 - Feuer in einem Kaufhaus in der Adalbertstraße


Zwei weitere wurden später über die Drehleiter aus dem Dachgeschoß gerettet. Als gegen 13.00 Uhr die drei Löschzüge der Berufsfeuerwehr, fast gleichzeitig, an der Brandstelle eintrafen, schlugen die Flammen bereits aus dem 1. und 2. Obergeschoß. Von der Vorderfront und der Rückseite des Objekts wurde das Feuer bekämpft. Die umliegenden Gebäude wurden, vor allen Dingen durch starke Rußentwicklung, in Mitleidenschaft gezogen. Am gegenüberliegenden "Kaufhof" platzten 2 große Schaufensterscheiben und in den oberen Etagen wurden 15 Glasfenster beschädigt. Um eine Gefährdung der Passanten auszuschließen, wurde die Adalbertstraße abgesperrt. Für ein Großteil der Geschäfte bedeutete dies eine harte Umsatzeinbuße.



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5. Dezember 1991 - Großbrand in einem "Kellerraum" des City-Centers


Am 5. Dezember 1991, einen Monat nach dem Großfeuer im "Haus für Alle", war ein weiteres Geschäftshaus von einem Großfeuer betroffen. Dichte Rauchwolken drangen aus dem Elektrowarenhaus "Saturn". Kurz nach der 1. Brandmeldung um 20.29 Uhr sammelten sich Hunderte von Menschen vor dem City-Center Grabenhof. Dramatische Szenen spielten sich in der Dunkelheit ab. 22 Bewohner des Eckhauses mußten über die Drehleitern gerettet werden. Acht Personen mußten mit Verletzungen oder Rauchvergiftung ins Krankenhaus gefahren werden. Ein Teil der Bewohner, die sich nur mit dem Nötigsten retten konnten, wurden in einem ASEAG-Bus und im Einsatzzelt der Feuerwehr mit Getränken und Suppe versorgt. Erst um 22.25 Uhr konnten die Feuerwehrleute zum verschlossenen Brandherd im Keller vordringen. Jeweils rund 40 Männer der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr bekämpften mit 5 C-Rohren das Feuer.

Am 10. Oktober 1994 war über dem Westen der Stadt ein großer Rauchpilz sichtbar. Äußeres Zeichen einer schweren Gasexplosion im Ortsteil Laurensberg. Bei Umbauarbeiten riß, 3 m von einem Wohnhaus entfernt ein Gasanschluß. Das Gas strömte ins Haus, in welchem sich ein Mann, seine Ehefrau und der Sohn befanden. Durch Bauarbeiter wurden die im Haus befindlichen Personen verständigt, man alarmierte die Feuerwehr und brachte sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Sicherheit. Kurze Zeit später trafen die ersten Fahrzeuge der Feuerwehr ein. Noch bevor erste Maßnahmen getroffen werden konnten, erfolgte eine gewaltige Explosion. Die Wucht der Explosion war so groß, daß von dem Haus nur noch einige Wände übrigblieben. Gleichzeitig brach Feuer aus. Zum Glück erlitten weder Feuerwehrleute, noch Bauarbeiter oder Privatpersonen ernsthafte Verletzungen. Mit vier Löschzügen und über 30 Beamten, unterstützt durch Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr, ging die Feuerwehr gegen das massive Feuer vor. Als sich Qualm und Rauch verzogen hatten, wurde das Ausmaß der Explosion deutlich. Die Familie stand praktisch vor dem Nichts. Bis auf ein paar Kleinigkeiten konnte aus dem Haus nichts gerettet werden. Der übriggebliebene Rest des Gebäudes mußte abgerissen werden.

Am Gründonnerstag, dem 13. April 1995, erforderte ein Brand im Klinikum Aachen den Einsatz von mehr als 100 Feuerwehrleuten. Bei Asbestsanierungsarbeiten in Verbindung mit Arbeiten an der Halon-Löschanlage verursachte ein Arbeiter einen Kurzschluß. Wegen des hierdurch ausgelösten Brandes in dem Installationsschacht wurde nachfolgend das in Sicherheitbringen von rd. 300 Patienten aus von Brandrauch bedrohten Stationen notwendig. Der Arbeiter erlitt schwere Verbrennungen im Gesicht; im Laufe der Löscharbeiten wurden 4 Feuerwehrmänner verletzt; die Schlagkraft der Werkfeuerwehr stand in der öffentlichen Kritik; wenngleich „nur“ ein Elektroinstallationsschacht in seiner gesamten Höhe von 35 m ausbrannte, die Schadenssumme wird auf rd. 100 Mio. DM geschätzt. Patienten kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.



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Der Einsatzablauf und die hierbei deutlich gewordenen logistischen Probleme machten deutlich, daß ein Objekt dieses Ausmaßes brandschutztechnisch besonderer Aufmerksamkeit bedarf. In solchen Objekten sind die schon von einem mittelgroßen Brand ausgehenden Gefahren für die Feuerwehr nur schwer beherrschbar, es muß daher der Entstehung eines Brandes auch mit personellem Aufwand begegnet werden - dies kann nur eine personell ausreichend starke, hauptamtliche Feuerwehr leisten. Eine besondere Bewertung erfährt der Brand durch die Einschätzung einiger "Verantwortlicher", der Einsatz habe gezeigt, daß auch eine personell stärkere Werkfeuerwehr nichts hätte ausrichten können - also brauche man diese auch nicht verstärken.

Am 1. September 1995 wurde die Feuerwehr zu einem Zimmerbrand in der Alsenstraße 17 gerufen. Die Mannschaft des 1. Löschzuges erreichte die Brandstelle in kürzester Zeit, da der Einsatzort unweit der Feuerwache lag. Bei Ankunft der Feuerwehr brannte es im 2. Obergeschoß in einer Wohnung. Die Wohnungsinhaberin gab an, es seien noch 2 kleine Kinder in den brennenden Räumen. Beim Versuch diese Kinder zu retten, verunglückte Oberbrandmeister H. Blum. Er zog sich lebensgefährliche Verbrennungen zu, an deren Folgen er heute noch leidet.

Trotz des selbstlosen Einsatzes konnten die beiden Kinder leider nur noch tot geborgen werden.











13. April 1995 - Der Brand im Aachener Klinikum


1. September 1995 - Eingangstüre zur Wohnung Alsenstraße 17



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