125 Jahre Berufsfeuerwehr Aachen
Geschichte des Feuerlöschwesens in Aachen-Forst

Ueberall und zu allen Zeiten gab es Zeiten der Not, die die entfesselten Elemente zuweilen über eine Dorf- oder Stadtgemeinde brachten, auch aufrechte und wackere Volksgenossen, die sich zu einer Gefahrengemeinschaft zusammenschlossen und den Kampf gegen die Elemente vereint aufnahmen. Wollte man alle ihre oft großen Heldentaten in der Gemeinde Forst aufzeichnen, so würde der Raum dieser Schrift nicht ausreichen. Hier seien nur alle die Umstände und vorbereitenden Maßnahmen erwähnt, die schließlich zur Bildung der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr Aachen-Forst geführt haben.

Was verstaubte Akten Merkwürdiges berichten.

Man schreibt das Jahr 1865. In der Gemeinde Forst war an einem Oktoberabend plötzlich ein Brand ausgebrochen. In größter Bedrängnis erscheint ein Löschzug der Aachener Wehr mit 29 Mann und 3 Spritzen und bekämpft mit Erfolg das Feuer. Um ein erneutes Ausbrechen der Flammen zu verhüten, wird von dem derzeitigen Hauptmann Brettschneider angeordnet, daß eine Feuerwache die Nacht über den Feuerherd beobachtet und gegebenenfalls früh genug wieder erstickt. Durch diese Hilfeleistung sind der Aachener Wehr, die z.Zt. noch nicht von Berufs wegen ihre Tätigkeit ausübte, Kosten entstanden. Am 3.11.1865 wird dem Forster Bürgermeister durch den Oberbürgermeister Aachens eine Rechnung über 14 Thaler 15 Silbergroschen präsentiert. Nun sollte man meinen, die Forster, froh darüber, daß einem ihrer Mitbürger aus höchster Not geholfen wurde, bezahlen anstandslos! Gefehlt! Die Rechnung geht zurück mit dem Bemerken, daß die Gemeinde Forst sich nicht verpflichtet fühle, zu zahlen; überdies hätten die Mannschaften des Abends Butterbrote mit Fleisch und auch Bier erhalten, was auch 6 Thaler gekostet habe. Darauf wieder erneutes Präsentieren der Rechnung: wenn auch die Hilfeleistung seitens der Aachener Wehr für sie eine selbstverständliche Christenpflicht sei, so könne man doch von dem Geholfenen erwarten, daß der nun diese Hilfeleistung nicht als allzu selbstverständlich auffasse.
Rathaus Aachen Forst mit dem Gräteraum der Freiwilligen Feuerwehr


Wieder zurück mit der Bemängelung, daß viel zu viele Wehrleute gekommen wären. Es hätte auch mit weniger Mann gegangen. Der Landrat wird jetzt in den Streit als Schlichter einbezogen. Diesem äußert Forst noch einmal seine Bedenken und Ausstellungen. Aachen wehrt sich und gibt an: die nächste Wasserstelle lag vom Brand-ort derart weit weg, daß die drei Spritzen hintereinander geschaltet werden mußten, da die Länge der Schläuche nicht reichte. Und nun bekommt auch Forst wieder einen kleinen Seitenhieb. Es wird berichtet, daß auch diese Wasserstelle" keine Wasserstelle gewesen wäre, sondern, daß man Jauche hätte pumpen müssen und die Reinigung der Spritzen ganz besondere Kosten verursacht hätte. Der Landrat hat ein Einsehen und befiehlt gleichsam die Bezahlung der Aachener Rechnung. Der Bürgermeister von Forst läßt durch einen Gemeindebeschluß ablehnen. Und nun schweigen die Akten; wahrscheinlich hat Forst doch zahlen müssen. Hoffentlich!

12 Jahre später! Am 23. November 1878 brennt die Farbholzmühle von Butz in der Krautmühle lichterloh. Die Aachener Wehr aus der Kaserne vor Adalbertstor" ist wie immer pünktlich da. Eine Stunde später ist auch der Forster Spritzenmeister mit seiner Spritze da, doch gibt es für ihn nichts mehr zu tun. Die Kosten der Aachener Hilfe belaufen sich auf 237 RM.



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Wieder dieselben Schwierigkeiten wie vor 12 Jahren. Hin und her die Schreibereien. Landrat und jetzt sogar der Regierungspräsident greifen ein. Forst muß zahlen. Ja, ja! Das war so ganz der Geist dieser Volksgenossen der damaligen Zeit. Schilda lag bei Aachen! Durch Verfügung vom 28.4.1879 wurde Bürgermeister Bott von der königlichen Regierung aufgefordert, in Forst innerhalb von vier Wochen eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Trotz eifriger Bemühung wollte es ihm zunächst nicht gelingen. Zwar konnte er vier Monate später endlich das Bestehen einer 40 Mann starken Wehr melden, doch trug sie schon den Todeskeim gleich bei der Gründung in sich. Man hatte sich, als man sie ins Leben rief, nicht an den Opfersinn und die g a n z e Freiwilligkeit Forster Männer gewandt (oder zu wenden gewagt?). Sie bestand fast aus-schließlich aus Arbeitern der Hütte Rothe-Erde, die von morgens bis abends spät schwerste Berufsarbeit leisteten und doch noch unter ihrem blauen Kittel ein starkes Gefühl für den Dienst an der Gemeinschaft besaßen. Immerhin mußte diese Wehr infolge der einseitigen Zusammensetzung wenige Jahre nach ihrer Gründung der Selbstauflösung verfallen. Wieder war Forst ohne Feuerwehr.

Nun aber die rechte "Freiwillige Feuerwehr Forst!"

Bürgermeister Bott, der letzte unseres nun eingemeindeten Ortes, machte es richtig. Er beauftragte Ende des Jahres 1903 den Bezirksschornsteinfeger Mathias Deutz mit der Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Dieser, ein Mann von echtem Schrot und Korn", faßte die Sache gut an. Wenige Tage später schon, am 30.11.1903, fand im Lokale Jos. Peters die Gründungsversammlung statt. Und auf den ersten Hieb erklärten 33 anwesende Männer aller Stände ihren Beitritt. Noch lebte genug Gemeinschaftssinn, Mut und Nächstenliebe in deutschen Männern. Nur mußte man sie zu wecken verstehn. Der erste Vorstand war folgender:
    M. Wilh. Mohr sen., Oberbrandmeister M. Deutz sen., Brandmeister Jos. Spander, Feldwebel Wilh. Bengel, Oberfeuerwehrmann Jos. Roel, Zeugmeister und Abteilungsführer Ludw. Bücken, Schriftführer und Abteilungsführer Albert Welter, Kassierer und Abteilungsführer.

Brandmeister Deutz, selbst durch 19-jährige Zugehörigkeit zur Burtscheider Feuerwehr hinlänglich im Feuerwehrdienst erfahren, schulte diese Männer und schuf damit eine technische Truppe, die ihresgleichen ringsum nicht hatte. Trotz einfacher Ausrüstung mit nur einem Gerätewagen und einer Beduweschen Saug- und Druckspritze, die beide mit der Hand bis zum Jahre 1929 (!) gezogen werden mußten, hat diese Wehr in ungezählten Fällen ihre ganze Güte und Brauchbarkeit bewiesen. Das ist besonders der Verdienst ihres Oberbrandmeisters Wilh. Mohr sen., der 28 Jahre die Wehr führte, und seines technischen Offiziers Deutz gewesen. Aber das größte Verdienst tragen alle diese Männer der Wehr gemeinsam, die neben ihrer Berufsarbeit, ihrem Familienleben Woche für Woche sich der Schulung und Uebung unterzogen und nichts anderes kannten als Opfermut, Tatwillen, Treue und Pflichterfüllung, "dem Nächsten zur Wehr und Gott zur Ehr".

Ehrenoberbrandmeister W. Mohr Ehrenbrandmeister W. Deutz Oberbrandmeister W. Bengel



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Freiwillige Feuerwehr Aachen Forst
Am 1.4.1906, gelegentlich der Eingemeindung von Forst nach Aachen, wurde die Wehr als Städtische Freiwillige Feuerwehr Aachen-Forst übernommen und verrichtete von da ab Seite an Seite mit der Berufswehr treu ihren Dienst. Im Jahre 1912 trat an die Stelle des Kameraden Deutz, der als Ehrenbrandmeister der Wehr verbunden blieb, der Brandmeister Wilh. Bengel. Seit 1931, da Oberbrandmeister M. Wilh. Mohr nur durch sein hohes Alter von 82 Jahren zur Aufgabe seines Amtes sich gezwungen fühlte, leitet bis heute Oberbrandmeister Wilh. Bengel die hiesige Wehr. Auch ihn konnte eine schwere Kriegsverwundung nicht abhalten, diese Wehr in bester und pflichteifrigster Weise zu führen. Ihm zur Seite stehen heute folgende Kameraden, die alle gleichwertig ihre Pflicht immer und immer wieder erfüllt haben:
    Wilh. Bengel, Oberbrandmeister Josef Roel, Brandmeister Ludwig Bücken, Brandmeister Josef Peters, stellvertr. Brandmeister Wilh. Mohr jr., stellvertr. Brandmeister.

Besonderes ehrenvolles Lob gebührt den Männern, die seit dem Tage der Gründung nunmehr über 30 Jahre lang der Wehr angehören. Es sind dies:
    M. Wilh. Mohr sen., Ehrenoberbrandmeister Wilh. Bengel, Oberbrandmeister M. Deutz sen., Ehrenbrandmeister Josef Roel, Brandmeister Ludwig Bücken, Brandmeister Josef Peters, stellvertr. Brandmeister Heinrich Bredohl, Wehrmann Hubert Kerkhoff, Wehrmann Aloys Kessel, Wehrmann.

In technischer Hinsicht, besonders seitdem der Leiter der Aachener Berufswehr, Branddirektor Baurat Dr. Oster, ihr tüchtiger Vorgesetzter und Berater ist, steht die Städtische Freiwillige Feuerwehr Aachen-Forst an guter Stelle. Sie besitzt eine Motorspritze und einen Motormannschaftswagen. Mit Hilfe bester elektrischer Signaleinrichtungen, einer weithin schallenden Alarmsirene auf dem Dach des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Forst, ist es ihr möglich, innerhalb von höchstens zwei bis drei Minuten nach dem Alarm auszurücken. Sie ist damit zu einer schlagkräftigen und schnell beweglichen Abwehrtruppe geworden. Hoffentlich wird bald noch ihr sehnlichster Wunsch nach einem Gerätehaus und Steigerturm erfüllt. Dann aber und für alle Zeit: G u t W e h r ! "

von Wilh. F i s c h e r ,
Aachen-Forst.

Forst Bez. Aachen 30. November 1903 Zwecks Errichtung einer Freiwilligen Feuerwehr hatten sich folgende Herren in der Restauration des Herrn Josef Peters eingefunden.

Wilhelm Mohr, Mathias Deutz, Josef Spander, Wilhelm Bengel, Louis Bücken, Albert Welter, Heinz Bredohl, August Hilgardt, Josef Deutz jr, Mathias Cloose, Paul Kaiser, Aloys Kessel, Franz Mehsen, Nicolaus May, Josef Winkler, Franz Pohl, Wilhelm Frantzen, Peter Achten, Josef Haberts, Heinz Krantz, Josef Noel, Jacob Zimmermann, Josef Sauer, Anton Sprung, Carl Rueb, Jacob Schüller, Michael Cuvelier, Josef Peters.

Nachdem Herr Deutz den Zweck der einberufenen Versammlung näher erläutert hatte, erklärten die Erschienenen ihren Beitritt zur Freiwilligen Feuerwehr.



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Gründungsbericht der Freiwilligen Feuerwehr Aachen Forst
Nunmehr wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Als oberster Führer wurde im Behinderungsfalle des Herrn Bürgermeisters der Herr Wilhelm Mohr gewählt.
Als StellvertreterHerr Karl Deutz
Als FeldwebelHerr Josef Spander
Als OberfeuerwehrmannHerr Wilhelm Bengel
Als SchriftführerHerr Louis Bücken
Als KassiererHerr Albert Welter
Als ZeugmeisterHerr Josef Noel

Die Wahl erfolgte auf Beschluß der Versammelten durch Zuruf und erklärten die Gewählten die Wahl annehmen zu wollen.
Für Steigermannschaften wurden gewählt
Herr Heinrich Bredohl, August Holgardt, Josef Deutz jr., Mathias Cloose, Paul Kaiser, Aloys Kessel, Franz Mehsen, Nicolaus May, Josef Winkler, Franz Pohl, Wilhelm Frantzen.

Weiterhin ließ Herr Laschet, welcher am Erscheinen verhindert, seinen Eintritt erklären und wurde derselbe zu den Steigermannschaften gewählt.

Nach dieser Wahl brachte Herr Deutz ein Hoch auf unseren Kaiser und Landesherrn Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. aus, worauf die Versammlung mit Begeisterung einstimmte. Hierauf wurden die Normalsatzungen für die Freiwilligen Feuerwehren der Rheinprovinz durch Herrn Noel vorgelesen und von der Versammlung genehmigt und unterschrieben.

Vorgelesen genehmigt und unterschrieben.



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